Wie ich Werbung für den Gripen machte

© 20 Minuten Online, 3. Dezember 2011

Sie wollen Kampfflugzeuge verkaufen, möchten aber kein Inserat schalten? Kein Problem, PR-Profis bringen Ihre Jets auch in den redaktionellen Teil. Zum Beispiel den Gripen.

Von Lukas Egli

Es war einer jener Anrufe, auf die man als Reporter jahrelang wartet, meist vergeblich. «Hast du Lust, mal in einen Kampfjet zu steigen?», fragte mich der Redaktionsleiter des «Sonntagsblick Magazins» eines schönen Dienstags im September 2009 am Telefon. «Kampfjet?», wiederholte ich perplex, «äh, ja, klar!» Über Militärflugzeuge hatte ich mir noch nie viel Gedanken gemacht, selbst damals bei der «Stop F/A 18»-Initiative nicht, die ich altersgerecht selbstverständlich unterstützt hatte. Das Angebot klang vielversprechend – es versprach ein Abenteuer. Und einen Geschwindigkeitsrausch. Wie hätte ich da Nein sagen können?

Im Rückblick muss ich sagen: Das war ganz schön naiv. Dass bei der Geschichte handfeste Interessen im Spiel waren, war mir damals schon klar. Aber wer im Hintergrund die Fäden zog, überraschte mich dann doch. So viel sei verraten: Es waren nicht finstere Waffenhändler – es waren Journalisten.

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Die Mutter aller Niederlagen ist ein alter Mann

© 20 Minuten Online, 26. Oktober 2011

Die Nationalmannschaft fährt nicht an die EM, der Freisinn verliert einen Bundesratssitz: Was Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld und Parteipräsident Fulvio Pelli voneinander lernen können.

Von Lukas Egli

Die Vereinigte Bundesversammlung könnte im Dezember zum dritten Mal in ihrer Geschichte einen Bundesrat abwählen. Dabei ist gut möglich, dass Johann Schneider-Ammann von der FDP nach nur einem Jahr im Amt über die Klinge springen muss. Das wäre dann die bitterste Niederlage dieses Wahlherbsts 2011: Politbeobachter waren bisher immer davon ausgegangen, dass eher der BDP-Sitz von Eveline Widmer-Schlumpf gefährdet ist.

Obwohl die Verluste der FDP nicht so gross waren, wie erwartet, kam es anders: Die «neue Mitte» um CVP, BDP und GLP ist zwar zersplittert, aber gestärkt aus den eidgenössischen Wahlen hervorgegangen. Und diese «neue Mitte» lässt durchblicken, dass sie die kompetent wirkende Bündnerin, die vor vier Jahren SVP-Übervater Christoph Blocher aus dem Amt drängte, dem müde wirkenden Berner vorzieht. Die verschnarcht-patriarchale Partei nicht rechtzeitig einer radikalen Verjüngungskur zu unterziehen, war ein kapitaler Fehler – Parteipräsident Fulvio Pelli kann bei den Gesamterneuerungswahlen vom 14. Dezember fast nur noch verlieren.

Das Reservoir an Top-Spielern war nie grösser

Damit geht es ihm wie Ottmar Hitzfeld. Weiterlesen

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Bravo, Ihr Höhlenbewohner!

© Tages-Anzeiger/Newsnetz, 12. Oktober 2011

Warum wohl nur das Kinderkriegen «too big to fail» ist.

Ein Papablog von Lukas Egli

Der Bund will den Vaterschaftsurlaub noch einmal diskutieren, konnte man Mitte September lesen. Man wolle eine Auslegeordnung der verschiedenen Modelle«trotz grundsätzlicher Vorbehalte» vornehmen, schrieb der Bundesrat in einer Antwort auf ein Postulat. Bravo, Ihr Höhlenbewohner! Wahrscheinlich haben schon die Männer der Pfahlbauer mehr Zeit mit ihren Neugeborenen verbracht als wir Schweizer im Jahr 2011. Weiterlesen

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Der bessere Gaddafi

20 Minuten Online, 23. August 2011

Er galt als akzeptabler Nachfolger seines Vaters Muammar. Auf dem Höhepunkt des Bürgerkriegs in Libyen zeigt Saif al Islam sein wahres Gesicht. Er ist wie sein Vater. Nur opportunistischer.

Von Lukas Egli

Ein junger Mann tritt aus dem grossen Schatten seines Vaters: Am frühen Morgen des 23. August erscheint der nur Stunden zuvor vermeintlich von Rebellen festgesetzte Saif al Islam in einer weissen Limousine vor dem Rixos Hotel in Tripolis, wo westliche Journalisten untergebracht sind. Aufgekratzt zeigt sich der Diktatorensohn der Weltpresse – frei und unbehelligt. Er, der im Verlauf des vorangegangenen Tages schon abgeschrieben worden war. Was für ein Triumph!

«Zuversichtlich und voller Adrenalin»

Dann führt der zweite Sohn von Muammar Gaddafi die verblüfften internationalen Berichterstatter mit einem Konvoi gepanzerter SUVs durch die südlichen Viertel von Tripolis, die noch von Regierungstreuen kontrolliert werden. Klappert mit ihnen die «Hotspots» der umkämpften Hauptstadt ab. Fährt zum Häuserkomplex seines Familienklans. Vorbei an Kasernen, wo Männer nur darauf warten, mit Waffen ausgerüstet zu werden. Die Botschaft: Wir sind noch immer da – wir werden nicht weichen. Der 39-Jährige sei «zuversichtlich und voller Adrenalin» gewesen, berichtet die BBC.

Es ist ein Auftritt nach bester Gaddafi-Art: bizarr, fast surreal, verwirrend. Weiterlesen

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Ein Tyrann spielt Moralapostel

© 20 Minuten Online, 12. August 2011

Der saudische König hat Syriens Herrscher Baschar al Assad wegen Gewalt am eigenen Volk ermahnt. Dabei weiss der greise Scheich auch ganz gut, wie man sein Volk gängelt. Porträt eines Meisters der Doppelmoral.

Von Lukas Egli

Abdullah von Saudi-Arabien ist ein König wie aus einem Märchen: Er besitzt unendliche Reichtümer, umgibt sich mit Tausenden von Prinzessinnen und Prinzen, er unterhält einen riesigen Hofstaat und verfügt über absolute Macht. Mit einem Vermögen von 21 Milliarden Dollar ist Abdullah bin Abdul-Aziz al Saud einer der reichsten Monarchen der Welt — und einer der letzten, der wirklich bestimmen kann, was in seinem Land geschieht. Eigentlich bestimmt Abdullah über eine ganze Region: Arabien.

«Religion, Werte oder Ethik» — neue Töne aus Riad

Abdullahs Land ist der grösste Staat des Mittleren Ostens, es besitzt die grössten Erdölreserven und ist der weltgrösste Exporteur des «schwarzen Goldes». König Abdullah ist Schutzherr der zwei heiligsten Städte des Islam, Mekka und Medina. Er ist ein Machtfaktor auf der ganzen Welt. Am Persischen Golf und am Roten Meer indes geniesst er unangefochtene Autorität.

Für seine Nachbarn war es darum ein kleiner Schock, als der bedächtig wirkende Regent am Montag seinen Botschafter aus Damaskus abzog und Syriens Machthaber Baschar al Assad ultimativ aufforderte, die Gewalt gegen die Protestierenden einzustellen. Weiterlesen

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Lass gut sein, Roger!

© 20 Minuten Online, 6. August 2011

Vom Zauderer zum Zauberer, vom Dominator zum Gedemütigten: Roger, du hast mir ein paar der schönsten Sonntage meines Lebens beschert. Jetzt, an deinem Dreissigsten – gratuliere! – ist es an der Zeit, abzutreten.

Von Lukas Egli

Roger, wenn ich dich wäre, ich würde aufhören: Motivationskrampf lösen, Muskeln lockern, Rackets verschenken, den Kumpels ein lautes «Bye!» zurufen – und mit Frau und Töchtern mal was ganz anderes machen.

Zum Beispiel drei Wochen am selben Ort verbringen. Ohne Feriencoach! Nachts, wenn deine Zwillinge Myla Rose und Charlene Riva schlafen, ein Buch lesen. Deiner Mirka beim Träumen zuschauen. Einen Freund in Übersee anrufen. Alleine an einer Bar einen Whisky trinken und unklare Gedanken ordnen. Was man halt so macht als glücklicher junger Vater.

Oder, besser: Sei doch endlich mal ungezogen! Schnapp dir den Mercedes SLS und ras über eine deutsche Autobahn! Lass den Burdsch Al Arab in deiner Wahlheimat Dubai erzittern! Tu mal was Böses! Amüsier dich! Freak out! Come on!

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Wenn Anonymous will…

© 20 Minuten Online, 1. Juli 2011

Das Internet wird bald volljährig. Zähmungsversuchen der Computerindustrie stehen Attacken von Hackern und Virusentwicklern gegenüber. Was treibt digitale Halbstarke wie Anonymous um?

Von Lukas Egli

Der Elvis Presley der Schadsoftware heisst Stuxnet. Der beste aller Computerwürmer stammt vermutlich aus Cyberlabors der USA und Israels und ringt jedem IT-Fachmann anerkennendes Kopfnicken ab. Nicht, dass Stuxnet etwas getan hat, was andere Malware nicht auch könnte. Aber die Präzision, mit der er seinen Auftrag ausgeführt hat, ist beispiellos: Stuxnet zwang im Alleingang die umstrittenen iranischen Atomanlagen in die Knie. Er ist ein virtueller Virtuose.

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