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	<title>Der zweite Blick</title>
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	<description>Lukas Egli&#039;s Geschichten aus der Provinz</description>
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		<title>Wie ich Werbung für den Gripen machte</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Dec 2011 14:17:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lukasegli</dc:creator>
				<category><![CDATA[20 Minuten Online]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagsblick Magazin]]></category>

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		<description><![CDATA[© 20 Minuten Online, 3. Dezember 2011 Sie wollen Kampfflugzeuge verkaufen, möchten aber kein Inserat schalten? Kein Problem, PR-Profis bringen Ihre Jets auch in den redaktionellen Teil. Zum Beispiel den Gripen. Von Lukas Egli Es war einer jener Anrufe, auf die &#8230; <a href="https://lukasegli.wordpress.com/2011/12/05/wie-ich-werbung-fur-den-gripen-machte/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lukasegli.wordpress.com&amp;blog=6259143&amp;post=776&amp;subd=lukasegli&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>© 20 Minuten Online, 3. Dezember 2011</strong></p>
<p><strong></strong><em>Sie wollen Kampfflugzeuge verkaufen, möchten aber kein Inserat schalten? Kein Problem, PR-Profis bringen Ihre Jets auch in den redaktionellen Teil. Zum Beispiel den Gripen.</em></p>
<p><em></em><strong>Von Lukas Egli</strong></p>
<p><strong></strong>Es war einer jener Anrufe, auf die man als Reporter jahrelang wartet, meist vergeblich. «Hast du Lust, mal in einen Kampfjet zu steigen?», fragte mich der Redaktionsleiter des «Sonntagsblick Magazins» eines schönen Dienstags im September 2009 am Telefon. «Kampfjet?», wiederholte ich perplex, «äh, ja, klar!» Über Militärflugzeuge hatte ich mir noch nie viel Gedanken gemacht, selbst damals bei der «Stop F/A 18»-Initiative nicht, die ich altersgerecht selbstverständlich unterstützt hatte. Das Angebot klang vielversprechend – es versprach ein Abenteuer. Und einen Geschwindigkeitsrausch. Wie hätte ich da Nein sagen können?</p>
<p>Im Rückblick muss ich sagen: Das war ganz schön naiv. Dass bei der Geschichte handfeste Interessen im Spiel waren, war mir damals schon klar. Aber wer im Hintergrund die Fäden zog, überraschte mich dann doch. So viel sei verraten: Es waren nicht finstere Waffenhändler – es waren Journalisten.</p>
<p><span id="more-776"></span></p>
<p><strong>Von Militärarzt gecheckt – dann ab in die Luft!</strong></p>
<p><strong></strong>Eine Woche nach dem Anruf wurde ich mit einem Fotografen, je einem Journalisten und Fotografen von «Le Matin Dimanche» und dem Chefredaktor der Fachzeitschrift «Cockpit», Max Ungricht, mit der SAS nach Stockholm und von dort nach Lulea geflogen, ins Meiringen Nordschwedens gewissermassen, wo die schwedische Luftwaffe tun und lassen kann, was sie will. Ich wurde einen Tag lang von einem Militärarzt auf Herz und Nieren gecheckt. Dann hiess es: Ab in die Luft!</p>
<p>«Gooooooood morning, Laplaaaaaand!» Ich kann es nicht verhehlen: Der Flug am Bottnischen Meerbusen mit Kapitän Tobhias Wikström, einem erfahrenen Gripen-Pilot, war einfach grossartig! Vielen Dank, lieber «Sonntagsblick», dass du mir diese Geschichte («<a title="Im Griff des Gripen" href="http://lukasegli.wordpress.com/2009/10/04/im-griff-des-gripen/">Im Griff des Gripen</a>») ermöglicht hast. Das war Bubenspass im besten Sinn – wohl die aufregendste Reportage meiner bisherigen Laufbahn. Dennoch blieb ein unguter Geschmack zurück.</p>
<p><a href="http://lukasegli.files.wordpress.com/2011/12/7328_1251499489349_1285368160_30745707_5193374_n.jpg"><img title="Gripen-Pilot Wikström mit Autor" src="http://lukasegli.files.wordpress.com/2011/12/7328_1251499489349_1285368160_30745707_5193374_n.jpg?w=500&#038;h=332" alt="" width="500" height="332" /></a><em>Ich: «Aaaaaaaaaahhhhhhhhhhhh!» Er: «Hahaha!»: Der Autor (rechts) mit Gripen-Pilot Tobhias Wikström alias «Combat» nach einem halbstündigen Flug über Nordschweden.</em></p>
<p><em></em>Wenn die Schweiz etwas beschaffen will, mischen im Bundeshaus Lobbyisten mit. Selbstverständlich auch, wenn es um den Ersatz der Tiger-Flotte geht. Eine der erfolgreichsten PR-Agenturen in Rüstungsfragen ist Farner PR. Firmengründer Rudolf Farner hatte sein Handwerk in den 1950er Jahren in den USA gelernt. Als man hierzulande noch von «Gunstgewerblern» sprach, führte er bereits professionelles Lobbying ein.</p>
<p><strong>«Ist alles gut gegangen?»</strong></p>
<p><strong></strong>Seither sitzen seine Agenten in wichtigen Ausschüssen und beraten die richtigen Volksvertreter. Neben bezahlten Assets für die Luxemburgerli von Sprüngli und die japanischen Automarke Mitsubishi verfolgte Farner PR aber immer auch eigene Projekte. So bekämpfte die Agentur aus eigenem Antrieb die Armee-Abschaffungsinitiative der GSoA von 1989. Den Vorwurf der Linken, ein verlängerter Arm der Rüstungsindustrie zu sein, wird Farner nie mehr los.</p>
<p>Andere gehen ungleich diskreter vor. Zum Beispiel die Zürcher Agentur Hirzel Neef Schmid alias Die Konsulenten. Keine halbe Stunde, nachdem ich meine Reportage über den Gripen-Flug beim «Sonntagsblick» an der Dufourstrasse abgegeben hatte, rief mich Jürg Wildberger an. «Und, ist alles gut gegangen?», fragte mich der ehemalige Chef von «10vor10». Wieder war ich etwas perplex. «Äh, ja, super»!, antwortete ich, «warum fragen Sie?» Noch während ich zurückfragte, dämmerte mir, dass er womöglich die Reise nach Lulea eingefädelt hatte.</p>
<p><strong>Beide kultivierten die harte Recherche</strong></p>
<p><strong></strong>Jürg Wildberger war einst einer der bekanntesten Journalisten der Schweiz. Er war Gründer und langjähriger Leiter des Nachrichtenmagazins «10vor10» des Schweizer Fernsehens, noch heute eine der erfolgreichsten Sendungen von SRF. Er gilt als Erfinder des Infotainments auf der Mattscheibe. Wildberger war Wirtschaftsjournalist bei der «Finanz und Wirtschaft» und der «Berner Zeitung», war Chefredaktor von «Weltwoche» und «Facts», war Leiter des ersten Schweizer Privatfernsehsenders mit Vollprogramm, TV3. Seit 2007 ist er Partner bei Hirzel Neef Schmid. Wer als Chefredaktor jahrelang Politik, Verwaltung und Wirtschaft auf die Finger geklopft hat, weiss, wem man auf die Schulter klopfen muss, wenn man etwas von ihm will – auch auf Medienseite.</p>
<p>Zum Beispiel Hannes Britschgi, zum Zeitpunkt meines Gripen-Flugs Chefredaktor beim «Sonntagsblick». Die Karrieren von Wildberger und Britschgi verliefen in vielerlei Hinsicht parallel: Während Wildberger «10vor10» aufbaute, war Britschgi «Rundschau»-Chef – auch das ein Paradepferd des Schweizer Fernsehens, eine Medienmarke, die für Integrität steht. Wie Wildberger war auch Britschgi später «Facts»-Chefredaktor. Beide kultivierten mit ihren Redaktionen die harte Recherche, setzten auf Indiskretionen aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik, kämpften gegen Behördenwillkür und Ungerechtigkeit. Nichts hebt das Prestige einer Publikation mehr als ein Primeur, der einen Mächtigen zu Fall bringt.</p>
<p><strong>Wie hätte er auch Nein sagen können?</strong></p>
<p><strong></strong>PR-Berater Jürg Wildberger kontaktierte also seinen «Facts»- und TV-Spezi Hannes Britschgi, als sein schwedischer Kunde Saab die Schweizer Kampfjet-Evaluation aufmischen wollte, und machte ihm ein unschlagbares Angebot: Der «Sonntagsblick» durfte – exklusiv! –ins Cockpit steigen. Eine klassische Top-Gun-Story, bei der beide nur gewinnen konnten. Wie hätte Hannes Britschgi auch Nein sagen können?</p>
<p>Doch damit nicht genug. Meine Reportage im «Sonntagsblick Magazin» gefiel so gut, dass Berater Wildberger eine Woche nach Erscheinen bei seinem Kumpel einen Sonderdruck der Geschichte für seine Agentur und deren Auftraggeber, Kampfjet-Bauer Saab, bestellte. Acht Seiten, vierfarbig auf Hochglanzpapier, Auflage 2500 Stück. Flott kalkulierte Chefredaktor Britschgi über den Daumen und stellte knapp 9000 Franken in Rechnung, «Sonntagsblick»-Logo inbegriffen (ein Autorenhonorar war nicht vorgesehen; um eine Abdruckgenehmigung fragte er mich nie). So billig wird die Zürcher PR-Agentur Hirzel Neef Schmid nie mehr zu einer Imagebroschüre kommen.</p>
<p><strong>Britschgi als Leiter der Journalistenschule</strong></p>
<p><strong></strong>Und was für eine Broschüre das war! Wer kann seinen Kunden so eindrücklich zeigen, wie er selbst Rüstungsgüter in den grössten Publikumsmedien der Schweiz platzieren kann? Kampfjets, sympathisch dargestellt! PR-Novize Jürg Wildberger einen Top-Job gut gemacht.</p>
<p>Hannes Britschgi, kurzzeitig Politikchef der «Blick»-Gruppe, ist seit Anfang 2011 Leiter der Ringier-Journalistenschule. Es wäre interessant zu erfahren, wie er den Journalisten-Nachwuchs für die fintenreichen Tricks der PR-Branche sensibilisiert.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/lukasegli.wordpress.com/776/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/lukasegli.wordpress.com/776/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/lukasegli.wordpress.com/776/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/lukasegli.wordpress.com/776/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/lukasegli.wordpress.com/776/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/lukasegli.wordpress.com/776/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/lukasegli.wordpress.com/776/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/lukasegli.wordpress.com/776/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/lukasegli.wordpress.com/776/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/lukasegli.wordpress.com/776/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/lukasegli.wordpress.com/776/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/lukasegli.wordpress.com/776/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/lukasegli.wordpress.com/776/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/lukasegli.wordpress.com/776/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lukasegli.wordpress.com&amp;blog=6259143&amp;post=776&amp;subd=lukasegli&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Die Mutter aller Niederlagen ist ein alter Mann</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Oct 2011 19:35:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lukasegli</dc:creator>
				<category><![CDATA[20 Minuten Online]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>

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		<description><![CDATA[© 20 Minuten Online, 26. Oktober 2011 Die Nationalmannschaft fährt nicht an die EM, der Freisinn verliert einen Bundesratssitz: Was Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld und Parteipräsident Fulvio Pelli voneinander lernen können. Von Lukas Egli Die Vereinigte Bundesversammlung wird im Dezember wohl zum &#8230; <a href="https://lukasegli.wordpress.com/2011/10/26/die-mutter-aller-niederlagen-ist-ein-alter-mann/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lukasegli.wordpress.com&amp;blog=6259143&amp;post=773&amp;subd=lukasegli&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>© 20 Minuten Online, 26. Oktober 2011</strong></p>
<p><em><strong></strong>Die Nationalmannschaft fährt nicht an die EM, der Freisinn verliert einen Bundesratssitz: Was Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld und Parteipräsident Fulvio Pelli voneinander lernen können.</em></p>
<p><strong>Von Lukas Egli</strong></p>
<p>Die Vereinigte Bundesversammlung wird im Dezember wohl zum dritten Mal in ihrer Geschichte einen Bundesrat abwählen. Dabei ist schon fast ausgemacht, dass Johann Schneider-Ammann von der FDP nach nur einem Jahr im Amt über die Klinge springen muss. Das wäre dann die bitterste Niederlage dieses Wahlherbsts 2011: Politbeobachter waren bis zum Schluss davon ausgegangen, dass eher der BDP-Sitz von Eveline Widmer-Schlumpf gefährdet ist.</p>
<p>Obwohl die Verluste der FDP nicht so gross waren, wie erwartet, kam es anders: Die «neue Mitte» um CVP, BDP und GLP ist zwar zersplittert, aber gestärkt aus den eidgenössischen Wahlen hervorgegangen. Und diese «neue Mitte» lässt durchblicken, dass sie die kompetent wirkende Bündnerin, die vor vier Jahren SVP-Übervater Christoph Blocher aus dem Amt drängte, dem müde wirkenden Berner vorzieht. Die verschnarcht-partiarchale Partei nicht rechtzeitig einer radikalen Verjüngungskur zu unterziehen, war ein kapitaler Fehler – Parteipräsident Fulvio Pelli kann bei den Gesamterneuerungswahlen vom 14. Dezember fast nur noch verlieren.</p>
<p><strong>Das Reservoir an Top-Spielern war nie grösser</strong></p>
<p>Damit geht es ihm wie Ottmar Hitzfeld. <span id="more-773"></span>Der Nationaltrainer hat seine Aufgabe hoffnungsfroh mit einem soliden Team angetreten. Nach Ende der Qualifikation zur Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine steht er vor einem Scherbenhaufen. Die Schweiz wird zum ersten Mal seit zwölf Jahren nicht an einem grossen Turnier teilnehmen. Dies, obwohl die Vorzeichen überaus vielversprechend gewesen waren: Das Reservoir an Spielern, die bei grossen Clubs im Ausland tätig sind, war nie grösser, das U17-Team holte 2009 in Nigeria den Weltmeistertitel, auch die U21-Mannschaft war auf Kurs. Höhepunkt: die Finalteilname an der EM in Dänemark 2011.</p>
<p>Doch statt voll auf die hungrigen jungen Spieler zu setzen, zog der alte Mann aus Lörrach erfahrene Leistungsträger vor: die Stürmerdiva Alex Frei, den Hünen Marco Streller, den Superjoker Hakan Yakin. Als sich Frei und Streller im Frühjahr unter Buhrufen per sofort aus der Nati verabschiedeten, wurde das gruppendynamische Debakel sichtbar. Doch da war es längst zu spät. Erst jetzt können hochbegabte Spieler wie Ricardo Rodriguez, Granit Xhaka und der WM-Siegtorschütze Haris Seferovic zu echten Leistungsträgern heranreifen.</p>
<p><strong>Das Drama der verschmähten Kandidatin</strong></p>
<p>Auch die Parteiführung der Freisinnigen hat es vor einem Jahr in der Hand gehabt: Mit Karin Keller-Sutter war eine Top-Kandidatin für die Nachfolge von Hans-Rudolf Merz angetreten. Die St. Galler Regierungsrätin hätte viel Exekutiv-Erfahrung mitgebracht, sie tritt sympathisch auf, vertritt eine klare Linie – alles Prädikate, die dem Freisinn nur gut getan hätten.</p>
<p>Aber die FDP-Bundeshausfraktion entschied sich – gegen die Parteileitung, übrigens – für einen von ihnen: den damals 58-jährigen Berner Nationalrat Johann Schneider-Ammann, einen erfolgreichen, behäbigen Industriellen aus Langenthal, der im Parlament vor allem durch Abwesenheit geglänzt hatte. JNS, wie ihn sein Umfeld nennt, wurde dank seines exzellenten Bundeshaus-Netzwerks in den Bundesrat gewählt.</p>
<p><strong>Die Macht der alten Männer</strong></p>
<p>Nun ergeht es dem Freisinn wie Hitzfeld und seinem Trainerstab vor wenigen Wochen: Mit dem Versuch, auf Nummer sicher zu gehen und Merz’ Sitz mit Bewährtem zu retten, gefährdete sie mittelfristig ihren Anspruch. Sollte es im Dezember tatsächlich zu einer Neudefinition der Konkordanz kommen, wird wohl der glanzlose Magistrat geopfert.</p>
<p>Statt ein kleines Risiko einzugehen und auf eine erfahrene, in Bern aber wenig bekannte Kandidatin zu setzen, zog sie – wie gehabt – einen alten Mann vor. Einen alten Mann, der in den ersten Monaten seiner Amtszeit eine denkbar schlechte Figur machte. Selbst freisinnige Politiker zeigten sich bisweilen konsterniert angesichts seiner fahrigen Auftritte in Kommissionssitzungen. Der Industrielle schien im Bundeshaus quasi bei Null anzufangen.</p>
<p><strong>«Es gibt ein Problem der Wahrnehmung»</strong></p>
<p>Der zweite FDP-Bundesrat, Didier Burkhalter aus Neuenburg, macht die Sache für Parteipräsident Fulvio Pelli nicht eben einfacher: Zwar hinterliess er von Anfang an einen kompetenten Eindruck. Ausserhalb des Bundeshauses aber ist er auch zwei Jahre nach Amtsantritt kaum bekannt. Wie sagte doch Pelli nach der Wahlniederlage vom vergangenen Sonntag: «Es gibt ein Problem der Wahrnehmung.»</p>
<p>Vermutlich ist es unfair, die bitteren Niederlagen dem Nationaltrainer und dem Parteipräsidenten in die Schuhe zu schieben. Die Niedergänge von Nationalmannschaft und Staatsgründerpartei nahmen früher ihren Anfang: unter anderem bei der Wahl der Führerfiguren.</p>
<p>Hitzfeld und Pelli sind charmante, intelligente Herren; als moderierende Teamleiter sind sie intern beliebt. Aber sie sind beide keine Reisser. Ottmar Hitzfeld war es als Trainer von Borussia Dortmund und des FC Bayern München gewohnt, mit internationalen Superstars zu arbeiten, nicht mit Schweizer Spitzenspielern – internationalem Durchschnitt. Auch Fulvio Pelli vermag mit seiner liebenswürdigen lakonisch-intellektuellen Art ausserhalb der FDP niemanden zu elektrisieren.</p>
<p><strong>Der Hoffnungsträger ist schon bald ein altes Eisen</strong></p>
<p>Ironie der Geschichte: Ausgerechnet die von ihrer Partei letztes Jahr verschmähte Hoffnungsträgerin Karin Keller-Sutter ist am letzten Sonntag mit einem Glanzresultat in den Ständerat gewählt worden. Damit hat sie das Potenzial, das Fraktionspräsidium von Gabi Huber zu übernehmen, die wie Pelli gegen innen beliebt und respektiert ist, nach aussen aber zu wenig Wirkung entfaltete.</p>
<p>Karin Keller-Sutters Aufstieg in die nationale Politik erinnert an Gökhan Inler, der Ende April die Captain-Binde von Alex Frei erbte. Fast fünf Jahre musste Inler warten, bis ihm endlich eine Schlüsselrolle in der Nati zugestanden wurde. Für die nächste WM-Ausscheidung könnte er schon zum alten Eisen gehören.</p>
<p>Bleibt die Frage, ob Fulvio Pelli einen Bundesrat Schneider-Ammann hätte verhindern können – ob Ottmar Hitzfeld die alten Kämpen auf die Bank hätte verweisen können. Keine Frage: Pelli und Hitzfeld hätten es tun müssen!</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Bravo, Ihr Höhlenbewohner!</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Oct 2011 19:03:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lukasegli</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[© Tages-Anzeiger/Newsnetz, 12. Oktober 2011 Warum wohl nur das Kinderkriegen «too big to fail» ist. Ein Papablog von Lukas Egli Der Bund will den Vaterschaftsurlaub noch einmal diskutieren, konnte man Mitte September lesen. Man wolle eine Auslegeordnung der verschiedenen Modelle«trotz grundsätzlicher Vorbehalte» &#8230; <a href="https://lukasegli.wordpress.com/2011/10/12/bravo-ihr-hohlenbewohner/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lukasegli.wordpress.com&amp;blog=6259143&amp;post=763&amp;subd=lukasegli&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>© Tages-Anzeiger/Newsnetz, 12. Oktober 2011</strong></p>
<p><em>Warum wohl nur das Kinderkriegen «too big to fail» ist.</em></p>
<p><strong>Ein Papablog von Lukas Egli</strong></p>
<p>Der Bund will den Vaterschaftsurlaub noch einmal diskutieren, konnte man Mitte September lesen. Man wolle eine Auslegeordnung der verschiedenen Modelle«trotz grundsätzlicher Vorbehalte» vornehmen, schrieb der Bundesrat in einer Antwort auf ein Postulat. Bravo, Ihr Höhlenbewohner! Wahrscheinlich haben schon die Männer der Pfahlbauer mehr Zeit mit ihren Neugeborenen verbracht als wir Schweizer im Jahr 2011.<span id="more-763"></span>Ihr habt es offenbar noch immer nicht verstanden, verehrte Politikerinnen und Politiker.Zwei Tage bekommt man in der Schweiz als frischer Vater zugestanden, um das Wunder des Lebens zu erleben. Um diese Prüfung zu bestehen. Um sein Leben umzugestalten. Zwei Tage? Wissen Sie, wie lange eine Geburt dauert? Im Schnitt sind es 13 Stunden. Okay, bleiben ja noch 35 Stunden. Husch, etwas Schlaf nachholen, einen Kinderwagen kaufen, Windeln nicht vergessen, zuhause aufräumen, allenfalls ein Blüemli fürs junge Mami? Mach vorwärts, Paps, die Zeit läuft!</p>
<p>Ich weiss ja nicht, aus welchem Holz Eure Frauen geschnitzt sind, liebe SVPler, aber meine Frau scheint mir ziemlich robust – trotzdem war sie froh, dass in den ersten Wochen abends zwischen dem 17- und dem 19-Uhr-Stillen etwas Warmes auf dem Tisch stand. Denn so ein Kleines macht doch etwas Arbeit. Und nein, liebe Freisinnige, nicht jeder kann sich eine Nanny leisten. Der normal fühlende Mann will auch keine. Er will dabei sein, will teilhaben. Er will das neue Leben mitgestalten.</p>
<p>Der Schweiz fehlen 1,1 Millionen Kinder, schrieb der emeritierte Professor für Kinderheilkunde Remo Largo kürzlich im «Magazin». 1,1 Millionen Kinder in 40 Jahren, Tendenz weiter negativ. 2010 lag die Reproduktionsrate bei 1,54 Kindern pro Frau; 2,1 müssten es sein, um die Schweizer Bevölkerung stabil zu halten, rechnete der «Vater der Nation» vor. Die Bevölkerung schrumpft – ist doch prima, möchte man rufen. Wer braucht schon das Geschrei kleiner Kinder? Sie stehen im Weg, machen Windeln voll, halten uns von wichtigen Sachen ab. Und dieses Theater erst, wenn die Schnuddernasen in die Pubertät kommen!</p>
<p>Wer so spricht, sollte sich dringend mal mit den Folgen der rückläufigen Geburtenrate auseinandersetzen. Spätestens wenn in der Schweiz mehr Greise leben als Kinder, die Renten nicht mehr überwiesen werden und das Gesundheitswesen unbezahlbar wird, werden es auch die Ruhe liebenden Berufssingles verstehen. Das wird schon bald der Fall sein: Ab 2015 wird die Arbeitsbevölkerung in der Schweiz laut Bundesamt für Statistik abnehmen. Könnte sein, dass es schon zu spät ist: «Die 1,1 Millionen Kinder können nicht nachgeboren werden», so Largo lapidar.</p>
<p>Okay, die Reproduktion scheitert nicht am nicht vorhandenen Vaterurlaub. Trotzdem ist er zentral: Wenn ein Kind nur über das Schnuppern an einem veralteten Partnermodell – Frau, du musst zuhause bleiben, allein! – zu haben ist, muss sich keiner wundern, wenn jungen Frauen der Entscheid zum Kinderkriegen schwer fällt. Und sich potenzielle Väter noch länger zieren. Seiner Frau oder Freundin das Modell Heim und Herd zumuten, auch wenn es nur für die ersten Wochen ist – vielleicht doch lieber nicht.</p>
<p>Andere können es besser: In der Schweiz beträgt die «Elternzeit» 100 Tage; 2 Tage davon stehen dem Mann zu. In Schweden sind es 480 Tage – fast fünfmal mehr! Jeder Elternteil bekommt mindestens 60 Tage, über den Rest können die Paare frei verfügen. Wundert es Sie, geschätzte Volksvertreter, dass Schweden eine im nordeuropäischen Vergleich stolze Geburtenrate von 1,94 Kinder pro Frau vorweisen kann? Vielleicht bräuchten wir statt des im Parlament so beliebten Liberalitäts- ein Familienfreundlichkeitsrating.</p>
<p>Nun muss es ja nicht gleich die schwedische Maximallösung sein, liebe SPler. Wer mit demselben Anliegen schon mehrmals gescheitert ist, sollte seine Forderungen gelegentlich anpassen und vom sozialskandinavischen Kitsch Abschied nehmen. Bereits etwas mehr Freiraum würde uns jungen Vätern reichen. Die wenigsten wollen ja wochenlang zuhause sitzen – und ich bin überzeugt: die meisten Frauen wollten das auch nicht.</p>
<p>Meine Frau jedenfalls ist froh, dass ich morgens jeweils früh aus dem Haus gehe und ihr nicht bei allem dreinrede. Aber sie schätzt es auch sehr, wenn ich nicht erst spätabends wieder heimkomme. Warum also den Vätern nicht einen Vaterurlaubs in Form eines reduzierten Arbeitspensums gewähren? Warum nicht ein halbes Jahr lang 70 Prozent arbeiten? Diese 30 Prozent Erwerbsausfall müssten doch zu finanzieren sein!</p>
<p>«Eine Familie gründen darf für die jungen Schweizer nicht mehr eine zu grosse Last sein, sondern muss vermehrt auch Freude machen, sonst haben sie immer weniger Kinder oder überhaupt keine», schreibt Largo. So einfach ist es.</p>
<p>In einer Sache aber irrt der Übervater: «Die Kinderlücke zwingt uns, unsere Prioritäten weniger nach ökonomischen und materiellen Kriterien, sondern vermehrt nach zwischenmenschlichen Werten in Familie, Gesellschaft und Wirtschaft auszurichten», schreibt Largo am Schluss seines Aufsatzes im «Magazin». Falsch! Es ist gerade dieökonomische Vernunft, die uns – und Sie, liebe Volksvertreter – dazu bringen müsste, auch werdenden Vätern eine zeitgemässe Rolle zuzugestehen. Eine Familienpolitik, die diesen Namen verdient, ist eben nicht nur eine Frage der Familienzulagen und Steuern, werte Christdemokraten, sondern auch des Rollenbilds.</p>
<p>Der Staat hat in meinem Bett nichts verloren, werden die Betonköpfe unter Ihnen wieder rufen; einen Ausbau der Sozialwerke könnten wir uns in Zeiten der Krise nicht leisten, werden die Sparfüchse wie gewohnt einwenden. Ist die Frage nicht vielmehr: Können wir es uns überhaupt leisten, die dramatische demographische Entwicklung zu ignorieren? Durchaus möglich, dass Ihnen da die Höhlenbewohner voraus waren.</p>
<p>Die negative Demographie birgt keine vermeintlich theoretisch-statistischen Risiken, wie andere Errungenschaften unserer Zeit – die Folgen des demographischen GAUs sind absehbar. Die AHV, die wichtigste politische Errungenschaft des 20. Jahrhunderts, ist in ernster Gefahr, und mit ihr der Rest des nationalen Konsenses. Aber schon klar: Kinderkriegen ist eben teurer und anspruchsvoller als fertige Erwachsene, lies: Arbeitnehmer zu «importieren». Oder doch nicht?</p>
<p>Schweden investiert in die Zukunft. Wir in Sanatorien und Hüftgelenke für alle. Oder in die Rettung krimineller Grossbanken, Kampfjets und so weiter – ein anderes Thema, ich weiss. Aber wenn eine Sache, liebe Politikerinnen und Politiker, wirklich too big to failist, dann das Kinderkriegen.</p>
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		<title>Der bessere Gaddafi</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Aug 2011 14:13:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lukasegli</dc:creator>
				<category><![CDATA[20 Minuten Online]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[20 Minuten Online, 23. August 2011 Er galt als akzeptabler Nachfolger seines Vaters Muammar. Auf dem Höhepunkt des Bürgerkriegs in Libyen zeigt Saif al Islam sein wahres Gesicht. Er ist wie sein Vater. Nur opportunistischer. Von Lukas Egli Ein junger &#8230; <a href="https://lukasegli.wordpress.com/2011/08/23/der-bessere-gaddafi/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lukasegli.wordpress.com&amp;blog=6259143&amp;post=758&amp;subd=lukasegli&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>20 Minuten Online, 23. August 2011</strong></p>
<p><em>Er galt als akzeptabler Nachfolger seines Vaters Muammar. Auf dem Höhepunkt des Bürgerkriegs in Libyen zeigt Saif al Islam sein wahres Gesicht. Er ist wie sein Vater. Nur opportunistischer.</em></p>
<p><strong>Von Lukas Egli</strong></p>
<p>Ein junger Mann tritt aus dem grossen Schatten seines Vaters: Am frühen Morgen des 23. August erscheint der nur Stunden zuvor vermeintlich von Rebellen festgesetzte Saif al Islam in einer weissen Limousine vor dem Rixos Hotel in Tripolis, wo westliche Journalisten untergebracht sind. Aufgekratzt zeigt sich der Diktatorensohn der Weltpresse – frei und unbehelligt. Er, der im Verlauf des vorangegangenen Tages schon abgeschrieben worden war. Was für ein Triumph!</p>
<p><strong>«Zuversichtlich und voller Adrenalin»</strong></p>
<p>Dann führt der zweite Sohn von Muammar Gaddafi die verblüfften internationalen Berichterstatter mit einem Konvoi gepanzerter SUVs durch die südlichen Viertel von Tripolis, die noch von Regierungstreuen kontrolliert werden. Klappert mit ihnen die «Hotspots» der umkämpften Hauptstadt ab. Fährt zum Häuserkomplex seines Familienklans. Vorbei an Kasernen, wo Männer nur darauf warten, mit Waffen ausgerüstet zu werden. Die Botschaft: Wir sind noch immer da – wir werden nicht weichen. Der 39-Jährige sei «zuversichtlich und voller Adrenalin» gewesen, berichtet die BBC.</p>
<p>Es ist ein Auftritt nach bester Gaddafi-Art: bizarr, fast surreal, verwirrend. <span id="more-758"></span>Unvergessen, wie sein Vater irrlichternd mit einem Schirm in der Hand am 21. Februar im Staatsfernsehen seine Legitimation als Staatschef bekräftigte. Verrückt oder wahnsinnig? Egal. Wer gemeint hat, der Dämon Gaddafi sei mit dem Einmarsch der Rebellen in Tripolis Mitte August endlich erledigt, hat sich einmal mehr getäuscht.</p>
<p><strong>Verlogen, verschlagen, unberechenbar – wie sein Vater</strong></p>
<p>Saif al Islams verrückter Auftritt in der Weltpresse lässt keinen Zweifel: Sein Schatten wird ebenso gross werden wie derjenige seines Vaters. Wenn man ihn denn lässt. Muammar Gaddafis charismatischer Sohn ist der neue starke Mann in Tripolis. Oder der erste, den das libysche Volk lynchen wird.</p>
<p>Er ist ein perfektes Abbild seines Vaters – er ist verlogen, verschlagen, unberechenbar. Äusserlich indessen unterscheidet er sich deutlich von seinem väterlichen Vorbild: Während sein Vater nur Arabisch spricht, sich in Fantasieuniformen kleidet und die ganze Welt genüsslich vor den Kopf stösst, spricht Saif einwandfrei Englisch, trägt teure Designeranzüge und sucht gerne die Nähe zu wichtigen Westlern und anderen netten Leuten. Die Partys des Schwerenöters und Tunichtguts in Wien, St. Tropez und Monaco sind legendär.</p>
<p><strong>Als «Young Global Leaders» am WEF</strong></p>
<p>Doch der weltgewandte Gaddafi-Prinz hat auch eine Mission: Saif al Islam überzeugt 2003 seinen Vater, auf Massenvernichtungswaffen zu verzichten. Er veröffentlicht einen Report, der sich kritisch mit der Menschenrechtssituation in seinem Heimatland auseinandersetzt. Er vermittelt erfolgreich bei Geiselnahmen. Jahrelang setzt er sich für bessere Beziehungen zum Westen ein, am wirkungsvollsten in England. In Hampstead, Nordlondon, unterhält er eine zehn Millionen Pfund teure Villa. Seine Avancen in Grossbritannien sind so erfolgreich, dass er sogar von Prinz Andrew in den Buckingham Palace eingeladen wird. Den Ex-Premier Tony Blair bezeichnet er als «persönlichen Freund der Familie»; dieser indes legt Wert auf die Feststellung, den jungen Gaddafi nur einmal getroffen zu haben.</p>
<p>Der renommierten London School of Economics spendet der Spross des Chefs des libyschen Staatsterrors 1,5 Millionen Pfund, wohl nicht zuletzt, um sich seinen Doktortitel zu sichern (Abschlussarbeit: «The role of civil society in the democratisation of global governance institutions: from soft power to collective decision-making?»). Der Schuldirektor, der ihn einst öffentlich als Demokraten mit «echten liberalen Werten» lobte, muss zurücktreten. Auch das WEF, das ihn in die Riege der «Young Global Leaders» aufnahm, krebst zurück – eher zu spät als zu früh.</p>
<p>Denn es hatte auch kritische Stimmen gegeben: US-Diplomaten bezeichneten Saif laut Veröffentlichungen von Wikileaks als «verbissen», «selbstherrlich» und wenig geeignet, mit Fremden zu kooperieren. Prädikate, die auch auf seinen Vater zutreffen. Die Vorbehalte gegenüber dem gut aussehenden Gaddafi-Erben werden sorgsam unter den Teppich gekehrt, wohl um die Stabilität in Libyen nicht zu gefährden. Wie zynisch das war, offenbart sich nun, da Saif sein wahres Gesicht zeigt.</p>
<p><strong>Jetzt: Bart und radikalislamische Rhetorik</strong></p>
<p>Saif al Islam gilt schon lange als möglicher Nachfolger seines Vaters. Er hat entsprechende Ambitionen stets zurückgewiesen. Spätestens seit Februar ist klar, dass die vorgeschobene Bescheidenheit reine Koketterie war. In wenigen Minuten hat Saif al Islam sein über Jahren sorgsam gepflegtes Image vom moderaten und vernünftigen Gaddafi vernichtet. «Wir werden kämpfen bis zum letzten Mann, ja bis zur letzten Frau», sagte er im Februar im TV, als der Arabische Frühling auch in Libyen erste Früchte zu tragen begann und sich Rebellen gegen die brutale, 42 Jahre dauernde Herrschaft von «Colonel Gaddafi» formierten. «Wir werden sie alle ausrotten!»</p>
<p>In den letzten Wochen ging die Metamorphose von Saif al Islam weiter. War er bislang für ein säkulares Libyen eingestanden und immer sauber rasiert in die Öffentlichkeit getreten, lässt er sich neuerdings einen Bart wachsen und hantiert mit radikalislamischer Rhetorik. Während seines verwirrenden Quartierrundgangs am 23. August trug er Vollbart und Tarnkleider.</p>
<p>Der einstige Diplomat Saif al Islam ist Kämpfer geworden – Führer. Wie sein Vater pflegt auch er die Kunst, aus dem Nichts wiederaufzutauchen. Nun fragt die ganze Welt nach dem Vater Muammar Gaddafi. Sie würde besser nach dem Sohn fragen. Denn der junge Mann, der auf wundersame Weise den wieder Rebellen entkam, ist der bessere Gaddafi: ebenso brutal und machtbewusst, aber eloquenter und opportunistischer.</p>
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		<title>Ein Tyrann spielt Moralapostel</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Aug 2011 14:00:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lukasegli</dc:creator>
				<category><![CDATA[20 Minuten Online]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[© 20 Minuten Online, 12. August 2011 Der saudische König hat Syriens Herrscher Baschar al Assad wegen Gewalt am eigenen Volk ermahnt. Dabei weiss der greise Scheich auch ganz gut, wie man sein Volk gängelt. Porträt eines Meisters der Doppelmoral. &#8230; <a href="https://lukasegli.wordpress.com/2011/08/12/ein-tyrann-spielt-moralapostel/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lukasegli.wordpress.com&amp;blog=6259143&amp;post=746&amp;subd=lukasegli&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://lukasegli.files.wordpress.com/2011/08/abdullah_frauenuni_q.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-748" title="SAUDI ARABIEN BILDUNG" src="http://lukasegli.files.wordpress.com/2011/08/abdullah_frauenuni_q.jpg?w=500&#038;h=500" alt="" width="500" height="500" /></a>© 20 Minuten Online, 12. August 2011</strong></p>
<p><em>Der saudische König hat Syriens Herrscher Baschar al Assad wegen Gewalt am eigenen Volk ermahnt. Dabei weiss der greise Scheich auch ganz gut, wie man sein Volk gängelt. Porträt eines Meisters der Doppelmoral.</em></p>
<p><strong>Von Lukas Egli</strong></p>
<p>Abdullah von Saudi-Arabien ist ein König wie aus einem Märchen: Er besitzt unendliche Reichtümer, umgibt sich mit Tausenden von Prinzessinnen und Prinzen, er unterhält einen riesigen Hofstaat und verfügt über absolute Macht. Mit einem Vermögen von 21 Milliarden Dollar ist Abdullah bin Abdul-Aziz al Saud einer der reichsten Monarchen der Welt — und einer der letzten, der wirklich bestimmen kann, was in seinem Land geschieht. Eigentlich bestimmt Abdullah über eine ganze Region: Arabien.</p>
<p><strong>«Religion, Werte oder Ethik» — neue Töne aus Riad</strong></p>
<p>Abdullahs Land ist der grösste Staat des Mittleren Ostens, es besitzt die grössten Erdölreserven und ist der weltgrösste Exporteur des «schwarzen Goldes». König Abdullah ist Schutzherr der zwei heiligsten Städte des Islam, Mekka und Medina. Er ist ein Machtfaktor auf der ganzen Welt. Am Persischen Golf und am Roten Meer indes geniesst er unangefochtene Autorität.</p>
<p>Für seine Nachbarn war es darum ein kleiner Schock, als der bedächtig wirkende Regent am Montag seinen Botschafter aus Damaskus abzog und Syriens Machthaber Baschar al Assad ultimativ aufforderte, die Gewalt gegen die Protestierenden einzustellen. <span id="more-746"></span>«Was in Syrien passiert, ist für uns inakzeptabel», schrieb er in einem Statement dezidiert. Eine solche Intervention eines arabischen Machthabers gegenüber einem anderen ist sehr selten — und birgt eine gewisse Ironie.</p>
<p>Die Niederschlagung der Proteste gegen das Assad-Regime stellt zwar eine der blutigsten Episoden der Unruhen in Nahost und Nordafrika dar, die Anfang Jahr als «Arabischer Frühling» in Tunesien und Ägypten begonnen hatten. Laut Opposition schoss das syrische Militär mit schweren Waffen auf die Demonstranten, in den Städten Hama, Daara und Dar es Sur kamen Panzer zum Einsatz — die Proteste in Syrien haben bereits über 2000 Tote gefordert.</p>
<p><strong>Frau, du musst zuhause bleiben!</strong></p>
<p>Dass das ultrakonservative Saudi-Arabien jedoch selbst regelmässig hart gegen Demonstranten vorgeht, kehrte der König geflissentlich unter den Teppich. Die Proteste der Schiiten in den Städten Qatif, Awamiyya und Jeddah Anfang Jahr wurden allesamt brutal unterdrückt. Selbst mit seinen Liebsten kennt der Machthaber kein Erbarmen: Seit Jahrzehnten kämpfen saudische Frauen für minimale Rechte, etwa für das Recht, Auto fahren zu dürfen — erfolglos. Auch die 32-jährige Manal al Scharif, die im Mai im Internet andere Frauen zum Autofahren aufgerufen hatte, wurde energisch angehalten: Die Alleinerziehende musste sich schriftlich verpflichten, künftig nicht mehr selbst ans Steuer zu sitzen.</p>
<p>Zwar sind es Religionswächter, welche die strengen Sittengesetze umsetzen, doch die Ideologie der Unterdrückung kommt von oben: Noch im Februar, auf dem Höhepunkt der Proteste in Kairo, hatte König Abdullah das Weisse Haus in Washington gewarnt, auf einen Machtwechsel in Ägypten zu drängen. Mubarak und Abdullah seien nicht nur Verbündete, sondern enge Freunde. «Der König mag es nicht, wenn sein Freund gedemütigt wird», hiess es an die Adresse von Barack Obama.</p>
<p><strong>Kämpfer gegen Korruption</strong></p>
<p>Dabei gilt Abdullah als der fortschrittlichste aller saudischen Herrscher. Er kam 1923 als Fünfter von 37 Söhnen von Staatsgründer Abdul-Aziz zur Welt und wurde nach dem Tod seines Halbbruders Fahd 2005 inthronisiert. Er hat vier Frauen und 22 Kinder; 7 Söhne und 15 Töchter. Der jüngste Sohn kam 2003 erst zur Welt. Bereits als Kronprinz hatte er gegen Korruption gekämpft, was innerhalb der Familie auf wenig Freude stiess und seine Inthronisierung um Jahre verzögerte.</p>
<p>König Abdullah setzte Bildung und Forschung auf die Prioritätenliste, er gründete Universitäten und spendete für die Opfer von Hurrikan Katrina 2005 in den USA sowie Erdbebenopfer in Sechuan in China 2008. Abdullah führte eine Art Rekursrecht ein und begann einen interreligiösen Dialog. Als erster König Saudi-Arabiens besuchte er 2007 Papst Benedikt XVI. 2009 und 2010 wurde er vom renommierten Royal Islamic Strategic Studies Centre in Amman, Jordanien, zum einflussreichsten Mann der arabischen Welt erkoren. Kein Zweifel: Die Sauds sind eine der mächtigsten Familien der Welt. Nicht zuletzt dank der moderaten Öffnung unter Abdullah. <strong></strong></p>
<p><strong>Exportgüter: Ungezogene Prinzen, Erdöl, Terror</strong></p>
<p>Die Modernisierung wird allerdings immer wieder von harten Rückfällen unterbrochen. Nur Wochen vor der öffentlichen Massregelung Assads schickte Abdullah seine Truppen ins benachbarte Emirat Bahrain, um dem befreundeten Königshaus al Khalifa bei der Niederschlagung der Proteste der schiitischen Bevölkerungsmehrheit zu helfen. Saudi-Arabien und der Inselstaat sind seit 1986 mit dem «King Fahd Causeway» verbunden, benannt nach Abdullahs Halbbruder und Amtsvorgänger.</p>
<p>Offiziell soll die 26 Kilometer lange Strasse die Bande der beiden Länder stärken. Auch sicherheitstechnische Überlegungen sollen bei der 1,2-Milliarden-Dollar-Investition eine Rolle gespielt haben. Es gab aber auch freizeittechnische Gründe für den Bau: Während im wahhabitischen Riad Alkohol und Prostitution streng verboten sind, kennt Manama eine liberalere Moral. Ist Saudi-Arabien das grösste Frauengefängnis der Welt, muss Bahrain als das grösste Bordell am Persischen Golf bezeichnet werden. Ein Ort, an dem sich die saudischen Prinzen gerne austoben.</p>
<p>Neben ungezogenen Prinzen und Erdöl heisst der Hauptexportartikel der Sauds: Terror. Die USA gehen davon aus, dass Osama bin Laden bis Ende der Neunzigerjahre vor allem mit Geld aus Saudi-Arabien unterstützt wurde. «Das Regime hatte auf die dunkle Seite gewechselt», schrieb US-Starautor Seymour M. Hersh. Noch heute finanziert Abdullahs Familie weltweit Zentren des Wahhabismus, in denen eine besonders dogmatische Form des Islams, gelehrt und gepredigt wird.</p>
<p>Inwiefern das Treiben seiner Nachkommen im Sinn des aktuellen Familien- und Staatsoberhaupts ist, wird Abdullahs Geheimnis bleiben. Kaum je dringen Interna aus dem saudischen Königshaus nach aussen. Starjournalist Said Aburish schrieb 1994 in einer viel beachteten Monografie: «Das Haus der Saud führt sein Land wie ein Familienunternehmen, so dass Saudi-Arabien und das Haus der Saud ein- und dasselbe sind.» Irgendwie logisch: Schliesslich ist das 1932 gegründete Land nach Staatsgründer Ibn Sauds Familie benannt.</p>
<p><strong>Wer von König Abdullah ermahnt wird</strong></p>
<p>Doch Aburish ging noch weiter: Der palästinensische Autor verglich die Saud mit Herrschern wie Saddam Hussein und Muammar Gaddafi. Sie alle pflegten denselben Umgang mit Themen wie Meinungsäusserungsfreiheit, Korruption, Vetternwirtschaft und Despotismus. Syriens Herrscher Baschar al Assad weiss: Wer von König Abdullah ermahnt wird, ist wirklich zu weit gegangen — weiter als König Abdullah.</p>
<p>Seit Juni 2010 muss der 86-jährige Herrscher kürzer treten. Dezember 2010 und Januar 2011 verbrachte der greise Mann mit seinem Hofstaat in den USA, wo er sich im New York Presbyterian Hospital am Rücken behandeln liess. Nach einer einmonatigen Rekonvaleszenz in Marokko kehrte er Ende Februar 2011 nach Riad zurück. Es war eine Rückkehr wie ein römischer Triumphzug: 50 Wagen begleiteten seine Limousine durch die Hauptstadt. Im Gepäck: Geschenke für Arbeitslose und den Mittelstand im Wert von 36 Milliarden Dollar aus der Staatskasse. Mögen die Gaben die nach Freiheit strebende Volksseele beruhigen!</p>
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		<title>Lass gut sein, Roger!</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Aug 2011 19:00:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lukasegli</dc:creator>
				<category><![CDATA[20 Minuten Online]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>

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		<description><![CDATA[© 20 Minuten Online, 6. August 2011 Vom Zauderer zum Zauberer, vom Dominator zum Gedemütigten: Roger, du hast mir ein paar der schönsten Sonntage meines Lebens beschert. Jetzt, an deinem Dreissigsten – gratuliere! – ist es an der Zeit, abzutreten. &#8230; <a href="https://lukasegli.wordpress.com/2011/08/06/lass-gut-sein-roger/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lukasegli.wordpress.com&amp;blog=6259143&amp;post=738&amp;subd=lukasegli&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://lukasegli.files.wordpress.com/2011/08/topelement.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-740" title="topelement" src="http://lukasegli.files.wordpress.com/2011/08/topelement.jpg?w=500" alt=""   /></a></strong></p>
<p><strong>© 20 Minuten Online, 6. August 2011</strong></p>
<p><strong></strong><em>Vom Zauderer zum Zauberer, vom Dominator zum Gedemütigten: Roger, du hast mir ein paar der schönsten Sonntage meines Lebens beschert. Jetzt, an deinem Dreissigsten – gratuliere! – ist es an der Zeit, abzutreten.</em></p>
<p><strong>Von Lukas Egli</strong></p>
<p>Roger, wenn ich dich wäre, ich würde aufhören: Motivationskrampf lösen, Muskeln lockern, Rackets verschenken, den Kumpels ein lautes «Bye!» zurufen – und mit Frau und Töchtern mal was ganz anderes machen.</p>
<p>Zum Beispiel drei Wochen am selben Ort verbringen. Ohne Feriencoach! Nachts, wenn deine Zwillinge Myla Rose und Charlene Riva schlafen, ein Buch lesen. Deiner Mirka beim Träumen zuschauen. Einen Freund in Übersee anrufen. Alleine an einer Bar einen Whisky trinken und unklare Gedanken ordnen. Was man halt so macht als glücklicher junger Vater.</p>
<p>Oder, besser: Sei doch endlich mal ungezogen! Schnapp dir den Mercedes SLS und ras über eine deutsche Autobahn! Lass den Burdsch Al Arab in deiner Wahlheimat Dubai erzittern! Tu mal was Böses! Amüsier dich! Freak out! Come on!</p>
<p><span id="more-738"></span>Aber nein, du hast ja noch so viel vor: Du willst 2012 an den olympischen Sommerspielen in London Gold holen. Du willst Pete Sampras&#8217; Rekord von 286 Wochen an der Weltspitze brechen; eine Woche fehlt dir nur. Du willst deinen 17. Grand Slam Titel holen. Und so weiter und so fort. Kein Sport, der so viele Rekorde kennt wie das Herrentennis. Kein Tennisspieler, der so viele Rekorde hält wie du. Nun lass doch mal gut sein!</p>
<p><strong>Der Beginn einer grossen Tennispassion</strong></p>
<p><strong></strong>Ich kann mich genau erinnern, wann ich dich zum ersten Mal habe spielen sehen: Es war das Achtelfinale von Wimbledon 2001 gegen – natürlich – Pete Sampras. Du, 19 Jahre alt, pausbackig und langhaarig, demontiertest vor 15 000 Zuschauern den siebenmaligen Wimbledon-Champ. Sampras verdutzt, den britischen TV-Kommentatoren versagte die Stimme, du in Tränen.</p>
<p>Wie oft hast du den humorlosen US-Tennisgiganten an dem Tag passiert, ihn beim Return düpiert? Der 1. Juli 2001 markierte den Anfang deines Aufstiegs zum grössten Tennisspieler aller Zeiten. Und den Beginn meiner grossen TV-Tennispassion. Von dem Tag an verbrachte ich die Tage während der Major-Turniere wie andere die Wochen während der Fussballweltmeisterschaften: bedingt ansprechbar. Und mit mir die halbe Schweiz.</p>
<p>Ich hatte an dem Tag von Tennis keine Ahnung, wusste nur, dass «Pistolen Pete» kein Sympathieträger und x-facher Grand Slam Sieger war. Was das bedeutete – keine Ahnung. War auch nicht weiter wichtig. Als ich den Fernseher einschaltete, wusste ich sofort: Hier passiert Grosses. Nicht David gegen Goliath, aber mindestens Tell gegen Gessler! Der kecke Schweizer gegen den mächtigen Amerikaner. Wer hätte da gedacht, dass du dereinst zum Maestro reifen würdest, zu dem sogar Altmeister Pete Sampras aufschaut?</p>
<p>Ansonsten war an dem Tag vor zehn Jahren schon alles erkennbar, was dich zu «King Roger» machen sollte: die messerscharfe Rückhand, der gefährliche Slice, die harte Vorhand, der starke Return, die ungeheure Präzision, die faszinierende Spielintelligenz – und diese unglaubliche Eleganz! Du warst schon da der komplette Spieler.</p>
<p><strong>Das Comeback eines Problems: Zitterhändchen</strong></p>
<p><strong></strong>Der technisch komplette Spieler, mit den gelegentlich schwachen Nerven. Sie sollten deinen Aufstieg noch einige Wochen verzögern. Umso befreiender dann, als du dein Zitterhändchen überwunden hattest. Als du deine Matches plötzlich mit fast unheimlicher Sicherheit ins Trockene brachtest. Als du deine Gegner wochenlang nach Belieben dominiertest. Als dir plötzlich alles zu gelingen schien.</p>
<p>Nun ist die kleine Unsicherheit zurück: Wer dich neulich im Wimbledon-Viertelfinal gegen Jo-Wilfried Tsonga gesehen hat, wurde schmerzlich an den Roger Federer vor Wimbledon 2001 erinnert. Technik, Physis und ein Spiel in Perfektion – es war alles da. Einzig, es fehlte die Nervenstärke bei den Big Points. Was für ein trauriges Comeback.</p>
<p>Sampras fand nach der Achtelsfinal-Niederlage von London gegen dich nie mehr zu seiner einstigen Dominanz zurück. Der letzte US-Tennisgigant verschwand von der Bildfläche. Eine Generation von jungen Wilden hatte übernommen: Allen voran Lleyton Hewitt, Andy Roddick – und du. Die beiden andern indes vermochten ihr grosses Versprechen nie wirklich einzulösen. Im Vergleich zu dir blieben sie Rookies, die einem Favoriten in einem Halbfinale ein Bein stellen konnten. Für den Triumph im Final fehlte ihnen danach meist die Kraft.</p>
<p><strong>Du warst der Beste der Besten</strong></p>
<p><strong></strong>Du aber spieltest sie am Ende alle an die Wand, selbst deine Angstgegner David Nalbandian, Tim Henman und Gilles Simon. Unglaubliche 237 Wochen warst du ohne Unterbruch zuoberst auf der Weltrangliste. Du bist der einzige Spieler der Profi-Ära, der 10 Major-Finals und 23 Halbfinals in Folge erreicht hat. Du hast alle Grand Slams, als einziger Spieler überhaupt dreimal drei Grand Slams in einem Jahr, insgesamt 67 Titel gewonnen. 63,5 Millionen Dollar Preisgeld erspielt. Roger, wer dein Palmarès liest, bekommt Schwindelanfälle.</p>
<p>Du warst einer der besten Aufschläger auf der Tour. Einer der besten Return-Spieler. Hattest eine der besten Vorhände. Eine exzellente Beinarbeit. Die beste einhändige Rückhand. Den besten Slice. Den besten zweiten Aufschlag. Und: Zauberschläge! Mit einem Passierschlag zwischen den Beinen hindurch hast du den aufstrebenden Novak Djokovic am US Open 2009 brutal in die Schranken gewiesen. Das Kunststück brachte dir einen Matchball ein. Sekunden später – zack! – war der hoch ambitionierte Serbe, die heutige Nummer eins, schon erledigt. Und wie elegant das doch alles aussah! Come on!</p>
<p><strong>Doch es kam noch besser</strong></p>
<p><strong></strong>Und als alle dachten, dass es nicht mehr besser kommen kann, kam es noch besser: Ein gewisser Rafael Nadal kam auf die Tour. Der muskulöse Mallorquiner war dein perfekter Antipode: laut, ungehobelt, brachial. Neben ihm sahst du noch mehr aus wie ein Gentleman, wie ein echter Sportsman. Nun warst du nicht mehr nur kompletter Tennisspieler – nun warst du kompletter Mann.</p>
<p>Fast vier Jahre lang dominiertet ihr zwei Ungleichen das Herrentennis. Immer wieder trugt ihr eure Traumfinals aus, 26 der letzten 33 Major-Turniere habt ihr unter euch ausgemacht. Oft gingen die Matches zu deinen Gunsten aus. Ausser auf Sand, da war dir der ungestüme Spanier meist überlegen. Doch mehr und mehr übernahm er auch auf «deinen» Unterlagen die Oberhand. 2008 rang er dich sogar in Wimbledon, in deinem Königreich, nieder – es war mit fünf Stunden der längste Wimbledon-Final und für viele das beste Tennisspiel aller Zeiten. Muskeln gegen Eleganz, Schweiss gegen Swissness, Spin gegen Slice – Roger, du hast mir ein paar der schönsten Sonntage meines Lebens beschert.</p>
<p><strong>An meinem Geburtstag ging deine Ära zu Ende</strong></p>
<p><strong></strong>Doch du hast uns über all die Jahre zu sehr verwöhnt. Nun wollen wir dich nicht mehr weinen sehen. Natürlich könntest du noch einen Grand Slam gewinnen. Oder noch eine Woche die Nummer eins sein. Oder sogar zwei. Oder eben auch nicht. An dir mochten dir immer, dass die Sache einigermassen klar war: Wenn du spieltest, konnten wir uns zurücklehnen, an einem Drink nippen und zuschauen, wie du deine armen Gegner auseinandernahmst. Nur wenn dir der wütende spanische Stier in die Quere kam, bekamen auch wir das Zitterhändchen. Auch das: grossartig!</p>
<p>Es gab eine Zeit, da konnte nur eine Handvoll Spieler gelegentlich an deinem Lack kratzen: Novak Djokovic, Robin Söderling, Nikolai Davidenko. Hoch talentierte, hoch motivierte Spieler, die das Zeug zum Champion haben. Das war durchaus prickelnd. Aber dass du gegen einen unfertigen, ja ungelenken Jo-Wilfried Tsonga verlierst? Perfekt spielst und führst und dann doch verlierst? Nein, das wollen wir nicht sehen! Da muss ein Perfektionist wie du konsequent bleiben: gewinnen – oder es ganz bleiben lassen.</p>
<p><strong>Geniess die Zeit! Wir werden dich vermissen </strong></p>
<p><strong></strong>Der 29. Juni 2011 – ausgerechnet mein Geburtstag – markiert dein Pete-Sampras-Moment. Deine Ära ist vorbei, wie Sampras’ Zeit am 1. Juli 2001, als du ihm die empfindliche Achtelsfinal-Niederlage in Wimbledon zugefügt hast, zu Ende war. Aber weisst du: Rekorde gibt es wie Tennisbälle auf der Tour. Die schönen Jahre mit deinen kleinen Mädchen aber, die sind gezählt. The time is now! Bye, Roger, geniess die Zeit! Wir werden dich vermissen.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/lukasegli.wordpress.com/738/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/lukasegli.wordpress.com/738/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/lukasegli.wordpress.com/738/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/lukasegli.wordpress.com/738/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/lukasegli.wordpress.com/738/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/lukasegli.wordpress.com/738/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/lukasegli.wordpress.com/738/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/lukasegli.wordpress.com/738/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/lukasegli.wordpress.com/738/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/lukasegli.wordpress.com/738/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/lukasegli.wordpress.com/738/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/lukasegli.wordpress.com/738/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/lukasegli.wordpress.com/738/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/lukasegli.wordpress.com/738/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lukasegli.wordpress.com&amp;blog=6259143&amp;post=738&amp;subd=lukasegli&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Krieg und Frieden in Stuttgart</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Aug 2011 06:01:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lukasegli</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[© 20 Minuten Online, 4. August 2011 Goebbels zitiert Geissler, äh, umgekehrt, und bringt damit alles durcheinander – hoch und tief, gut und schlecht, de Föifer und s Weggli. Eine Glosse Von Lukas Egli Eigentlich wollte Joseph Goebbels ja nur &#8230; <a href="https://lukasegli.wordpress.com/2011/08/04/krieg-und-frieden-in-stuttgart/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lukasegli.wordpress.com&amp;blog=6259143&amp;post=754&amp;subd=lukasegli&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>© 20 Minuten Online, 4. August 2011</strong></p>
<p><em>Goebbels zitiert Geissler, äh, umgekehrt, und bringt damit alles durcheinander – hoch und tief, gut und schlecht, de Föifer und s Weggli. Eine Glosse</em></p>
<p><strong>Von Lukas Egli</strong></p>
<p>Eigentlich wollte Joseph Goebbels ja nur helfen. Er wollte die Leute an einen Tisch bringen, einen Kompromiss schliessen. Er wollte den Stuttgartern im Streit um den neuen Hauptbahnhof eine «Schweizer Lösung» schmackhaft machen. Schweizer Lösung heisst, wie immer: de Föifer und s Weggli. Tiefbahnhof und Kopfbahnhof. Schnell und langsam. Modern und ewiggestrig. Ausgewogen und fair – wie man Goebbels eben kennt.<span id="more-754"></span>Aber der Germane versteht ja den wahren Wert eines feinen Weggli nicht, und der Fünfer ist ihm eigentlich auch zu wenig. So maulte er nur immer weiter rum, protestierte demonstrativ und unentwegt gegen «Stuttgart 21», schlug munter weiter auf Polizistenköpfe ein. Bis dem Joseph Goebbels der Kragen platzte. «Wollt ihr den totalen Krieg?», fragte er friedensstiftend zum Abschluss seiner Schlichtung am vergangenen Freitag.</p>
<p>«Kräääg?» Diese Sprache wiederum versteht unser nördlicher Nachbar auf Anhieb. Sofort gingen die jahrelang hochgerüsteten Entrüstungssturmtruppen ans Werk, wenige Stunden später wurde zurückgeschossen: Von «peinlich» bis «Opferverhöhnung» lauteten die Taktiken, «Eine Entschuldigung – und zwar schnell!», wurde gut preussisch gefordert. Nein, das war kein Waffenstillstandsangebot.</p>
<p>Wer könnte in Deutschland je das berühmte Zitat des ehemaligen CDU-Generalsekretärs Heiner Geissler vergessen! Und wer würde es wagen, es öffentlich je wieder zu verwenden! Wie senil ist der 81-jährige Goebbels eigentlich schon, einst besonnenes und unbestechliches Gewissen einer orientierungslosen Nation?</p>
<p>Joseph Goebbels wollte Frieden sähen – und hat Krieg geerntet. Den Stuttgarter Streithähnen ists nur recht: Gemeinsam ziehen die schwäbischen Falken nun gegen die altersschwache Friedenstaube ins Feld, angeführt vom öffentlich-rechtlichen Propagandasender: «War es ihre Absicht, die Wortwahl der Nazis zu verharmlosen?», knatterte «Deutschland Radio» live am Telefon ein Halbdutzendmal auf den armen alten Mann ein. Goebbels ein Nazi? Aber Hallo – auch das gab zu reden!</p>
<p>Dass derselbe Goebbels in derselben Radiosendung gesagt hatte: «Unser Baurecht ist falsch, unser Raumordnungsverfahren ist falsch. All das führte dazu, dass die Leute nicht beteiligt werden» – will keiner hören. Wollte von Anfang keiner hören. Denn: Ja, Stuttgart will den totalen Krieg! Kompromisse – das ist doch was für Schweizer.</p>
<p>Mittlerweile hat sich auch der Teufel – wie Goebbels CDU-Mitglied – in die Schlacht eingeschaltet. «Ich schweige nicht länger!», rief der Ex-Ministerpräsident von Baden-Württemberg vor Senioren. Murmelnde Zustimmung. Wie Teufels Rede genau weiterging, ist nicht überliefert. Interessierte keinen. Wie hatte doch Goebbels in Stuttgart gemahnt: «Man muss gehört werden, sonst schlafen die Leute ein.»</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/lukasegli.wordpress.com/754/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/lukasegli.wordpress.com/754/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/lukasegli.wordpress.com/754/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/lukasegli.wordpress.com/754/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/lukasegli.wordpress.com/754/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/lukasegli.wordpress.com/754/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/lukasegli.wordpress.com/754/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/lukasegli.wordpress.com/754/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/lukasegli.wordpress.com/754/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/lukasegli.wordpress.com/754/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/lukasegli.wordpress.com/754/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/lukasegli.wordpress.com/754/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/lukasegli.wordpress.com/754/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/lukasegli.wordpress.com/754/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lukasegli.wordpress.com&amp;blog=6259143&amp;post=754&amp;subd=lukasegli&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Ich muss drinnen bleiben!</title>
		<link>https://lukasegli.wordpress.com/2011/07/22/ich-muss-drinnen-bleiben/</link>
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		<pubDate>Fri, 22 Jul 2011 07:34:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lukasegli</dc:creator>
				<category><![CDATA[20 Minuten Online]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[© 20 Minuten Online, 22. Juli 2011 Ferien beim Pleitegriechen? Einkaufen beim Geizgermanen? Nix da! Dem Schweizer ist die Heimat auch bei Regen teuer. Eine Glosse Von Lukas Egli Der Euro sinkt, der Franken steigt, die Wirtschaft ächzt, der Privatbankier &#8230; <a href="https://lukasegli.wordpress.com/2011/07/22/ich-muss-drinnen-bleiben/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lukasegli.wordpress.com&amp;blog=6259143&amp;post=734&amp;subd=lukasegli&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>© 20 Minuten Online, 22. Juli 2011</strong></p>
<p><em>Ferien beim Pleitegriechen? Einkaufen beim Geizgermanen? Nix da! Dem Schweizer ist die Heimat auch bei Regen teuer. Eine Glosse</em></p>
<p><strong>Von Lukas Egli</strong></p>
<p>Der Euro sinkt, der Franken steigt, die Wirtschaft ächzt, der Privatbankier stöhnt. Und der Konsument? Der sitzt brav zu Hause und trinkt Tee. Schweizer Tee, natürlich, zu einem entsprechend hohen Preis. Das gebietet ihm der Anstand. «Selber schuld!», findet Rafael Corazza. Wer weiterhin «lammfromm» überteuert in der Schweiz einkaufe, sei ganz schön doof, erklärte der Direktor der Wettbewerbskommission letzte Woche. Die Konsumenten könnten ja «den Händler, die Marke oder das Land» wechseln. – Der Schweizer Detailhandel war wie vom Donner gerührt.</p>
<p><strong>Arbeitsplätze in Gefahr</strong></p>
<p>Es war, als hätte der Direktor von Schweiz Tourismus gesagt: «Selber schuld, wer weiterhin lammfromm in der nasskalten Schweiz Ferien macht.» <span id="more-734"></span>Ein längerer Aufenthalt in der Wüste wäre dem Cheftouristiker sicher gewesen. Aber der Tourismus, der weiss eben noch, was Anstand ist.</p>
<p>Wegen dem unmoralischen Einkaufstourismus entgingen der Schweizer Volkswirtschaft mehrere Milliarden Franken, klagten die Handelsgiganten Migros und Coop. Schon seien Arbeitsplätze in Gefahr. Herrgott, Herr Corazza, haben Sie noch nie was von Heimatschutz gehört? Sie können die Schweizer Konsumenten doch nicht einfach ins Ausland entlassen! Der grenznahe Handel reibt sich schon gierig die Hände.</p>
<p><strong>«Es war alles schmutzig, richtig gruusig!»</strong></p>
<p>Wegen diesem bisschen Sprühregen in den Sommerferien nach Frankreich, Italien, Griechenland ausweichen? Wo wir da hinkämen, zeigt schmerzlich das Beispiel von Esther und René Amstutz: In einer Deutschschweizer Boulevardzeitung erzählte das geiz-geile Ehepaar aus dem idyllischen Horw von seinen traumatischen Tagen in der Ägäis: «Es war alles schmutzig, richtig gruusig. Während wir da waren, wurde nicht richtig geputzt. Es hatte keinen Platz für unser Duschgel. Nach jedem Duschen war das ganze Badzimmer pflotschnass, weil die Dusche bodengleich war!»</p>
<p>Für 2200 Franken hatten die zwei Heimatmüden zwei Wochen Kreta gebucht, Flug, Halbpension und Viersterne-Standard inklusive. Schnäppchenferien beim Pleitegriechen – wie unpatriotisch! Die Griechengötter bestraften die abtrünnigen Luzerner sofort.</p>
<p><strong>Schweizer kaufen bei Teuro – und nicht in Euro!</strong></p>
<p>Wer kauft denn schon Nivea Creme, wo es doch auch ein ädaquates Schweizer Produkt gibt! Nivea oder Juvena, das ist hier die Frage. Die Antwort ist denkbar simpel: Schweizer kaufen beim Schweizer Teuro und nicht in Euro! Käse aus Frankreich? Gruusig! Schinken aus Deutschland? Plotschnass! Wein aus Italien? Bodengleich! Nun ja, zumindest solange die Ware nicht von einem hiesigen Grossisten gewaschen worden ist. Man kennt das aus dem Banking.</p>
<p>Innerhalb der Luzerner Agglomeration mag der liberale Treppenwitz von der Konkurrenz, die das Geschäft belebe, ja stimmen. Auf grössere Distanzen wirkt Konkurrenz irgendwie &#8211; äh, unschweizerisch, nicht richtig geputzt.</p>
<p>Mit den hiesigen hohen Preisen ist es wie mit dem Regen: Da kann der Mensch noch so gegen das hartnäckige Julitief wettern – es ist gottgegeben. Darum: Schlaf nicht beim Griechen! Mach Ferien auf der Hochpreisinsel! Bleib unter deinesgleichen – wie zu DDR-Zeiten. Freikörperkultur inbegriffen. Mit dem Geld der gesparten Qualitätsbadehose können Sie Ihre Familie ein Jahr lang mit Bananen eindecken. Gekauft beim solidarisch-schweizerischen Supermarkt.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/lukasegli.wordpress.com/734/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/lukasegli.wordpress.com/734/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/lukasegli.wordpress.com/734/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/lukasegli.wordpress.com/734/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/lukasegli.wordpress.com/734/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/lukasegli.wordpress.com/734/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/lukasegli.wordpress.com/734/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/lukasegli.wordpress.com/734/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/lukasegli.wordpress.com/734/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/lukasegli.wordpress.com/734/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/lukasegli.wordpress.com/734/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/lukasegli.wordpress.com/734/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/lukasegli.wordpress.com/734/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/lukasegli.wordpress.com/734/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lukasegli.wordpress.com&amp;blog=6259143&amp;post=734&amp;subd=lukasegli&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Wenn Anonymous will…</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 19:30:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lukasegli</dc:creator>
				<category><![CDATA[20 Minuten Online]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>

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		<description><![CDATA[© 20 Minuten Online, 1. Juli 2011 Das Internet wird bald volljährig. Zähmungsversuchen der Computerindustrie stehen Attacken von Hackern und Virusentwicklern gegenüber. Was treibt digitale Halbstarke wie Anonymous um? Von Lukas Egli Der Elvis Presley der Schadsoftware heisst Stuxnet. Der &#8230; <a href="https://lukasegli.wordpress.com/2011/07/01/wenn-anonymous-will%e2%80%a6/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lukasegli.wordpress.com&amp;blog=6259143&amp;post=728&amp;subd=lukasegli&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>© 20 Minuten Online, 1. Juli 2011</strong></p>
<p><strong></strong><em>Das Internet wird bald volljährig. Zähmungsversuchen der Computerindustrie stehen Attacken von Hackern und Virusentwicklern gegenüber. Was treibt digitale Halbstarke wie Anonymous um?</em></p>
<p><strong>Von Lukas Egli</strong></p>
<p>Der Elvis Presley der Schadsoftware heisst Stuxnet. Der beste aller Computerwürmer stammt vermutlich aus Cyberlabors der USA und Israels und ringt jedem IT-Fachmann anerkennendes Kopfnicken ab. Nicht, dass Stuxnet etwas getan hat, was andere Malware nicht auch könnte. Aber die Präzision, mit der er seinen Auftrag ausgeführt hat, ist beispiellos: Stuxnet zwang im Alleingang die umstrittenen iranischen Atomanlagen in die Knie. Er ist ein virtueller Virtuose.</p>
<p><span id="more-728"></span>Der Superwurm ist von seinen Entwicklern wie ein verdeckter Ermittler in die Weiten des World Wide Web geschickt worden. Einmal losgelassen, war er nicht mehr immer zu steuern. Stuxnet brauchte Wochen, nahm zig Umwege, nistete sich in Tausenden von Industrieanlagen ein, bis er 2009 endlich sein eigentliches Ziel fand: die iranischen Urananlagen. Er setzte sich zwischen Zentrale und Zentrifugen, die für die Aufbereitung entscheidend sind. Gab den Zentrifugen neue Befehle. Meldete den Schaltpulten, dass alles bestens sei. Stuxnet ist ein perfekter Doppelagent. Für seine Opfer undurchschaubar, unkontrollierbar, ungreifbar.</p>
<p><strong>Stuxnet rockt das iranische Atomprogramm</strong></p>
<p>Wochenlang flog der raffinierte Bluff nicht auf. Bis klar war, dass die Aufbereitungsanlagen nicht das herstellten, was man ihnen aufgetragen hatte. Die Iraner verdächtigten erst die Lieferanten der Anlage, sie übers Ohr gehauen zu haben. Weltweit kursierten wilde Gerüchte, warum der Iran die Uran-Aufbereitung ohne Angabe von Gründen eingestellt hatte. Irgendwann wusste es jeder: Die iranischen Atomingenieure waren Opfer eines raffinierten Sabotageakts geworden. Stuxnet, der wohl über einen USB-Stick in das geschlossene Computer-Netzwerk der Anlagen eingeführt worden war, legte das Milliarden Dollar teure iranische Atomprogramm lahm. Und führte jedem vor Augen, wie düster die Zukunft unserer vernetzten Welt aussieht.</p>
<p>Der kluge Wurm machte sich eine Entwicklung in der Arbeitswelt zunutze, die man SCADA-Problem nennt. «Supervisory Control and Data Acquisition» bezeichnet die Überwachung und Steuerung technischer Prozesse mit Computersystemen. Während Pumpen, Turbinen oder Kühlanlagen früher vor Ort gesteuert und überwacht wurden, ist heute fast jedes Gerät in ein Netzwerk eingebunden. Doch: Was am Netz hängt, ist angreifbar. Die globalisierte Wirtschaftswelt ist Angriffsziel geworden, ohne dass sie es bemerkt hat.</p>
<p>Experten gehen davon aus, dass Stuxnet einer der am weitesten verbreiteten Computerwürmer ist. Und dass seine Mission – die Sabotage am iranischen Atomprogramm – erst der Anfang war. Das weltweite Netz ist gelegt, die Infrastruktur für künftige Attacken ist gebaut. Und niemand weiss, woher der Wurm kam, wer ihn gebaut hat und was er als nächstes vorhat.</p>
<p><strong>Sturm und Drang des Internet</strong></p>
<p>Vor rund 15 Jahren erlebte das WWW seinen Durchbruch. War das Web anfangs eine statische, weitgehend von Grosskonzernen und Insidern gestaltete Welt – das Internet im Säuglingsalter: Mami und Papi als Alleinversorger –, wandelte es sich immer mehr in ein sich selbst organisierendes Universum. Das Internet lernte laufen. Google, Facebook, Wikipedia, um nur drei der grössten Player zu nennen, sind Giganten dieses Mitmachwebs. Nun kommt das Internet in die Pubertät. Im Net bricht die Jugendrevolte los.</p>
<p>Stuxnet ist nicht der einzige Rocker im WWW. Neben ihm tummeln sich viele zweifelhafte Helden, deren Ziele und Herkunft ebenso im Dunkeln liegen. Die derzeit erfolgreichsten nennen sich Anonymous, ein offenes Netzwerk von Hackern, das anfangs vor allem Scientology bekämpfte und für die Freiheit des Internets kämpfte.</p>
<p><strong>Anonymous: angriffig, drohend, alttestamentarisch</strong></p>
<p>«We are Anonymous. We are Legion. We do not forgive. We do not forget. Expect us!», lautet das Mission Statement der engagierten Gruppe. Angriffig, drohend, alttestamentarisch. Und reichlich selbstgerecht: Als der Schweizer Finanzdienstleister Postfinance im Herbst 2010 die Bankverbindung von Wikileaks-Gründer Julian Assange kündigte, weil dieser vorgetäuscht hatte, über einen Schweizer Wohnsitz zu verfügen, griff Anonymous den ehemaligen Bundesbetrieb kurzerhand mit sogenannten DDoS-Attacken an, bei dem die Server mit so vielen Anfragen bombardiert werden, bis sie zusammenbrechen. Assange gut, Post schlecht – «Anons» Kanonen schossen aus allen Rohren, bis der Postfinace-Server flachlag.</p>
<p>Auch die internationalen Zahlungsverkehrsgiganten Paypal, Mastercard und Visa gerieten wegen Wikileaks ins Visier der anonymen Hacker. Als die Mastercard-Server den DDoS-Angriffen aber unerwartet standzuhalten vermochten, machte sich in den Chatrooms, in denen sich die Aktivisten organisierten, kurzzeitig Ratlosigkeit breit. Bis einer schrieb: Justin Bieber ist doof. Ein neues Ziel war gefunden, die Party konnte weitergehen. Rock on!</p>
<p>Wenn Stuxnet der Elvis der vernetzten Welt darstellt, ist Anonymous wohl der Jerry Lee Lewis, Übername: The Killer.</p>
<p>Oder doch eher Bob «Live Aid» Geldof? Anonymous kämpft nach eigenen Angaben für Freiheit und Gerechtigkeit. Wer allerdings herausfinden will, wer sich hinter der Maske versteckt, läuft ins Leere. «Identität ist unwichtig, wenn du weisst, dass es uns gibt», heisst es. Konkrete Fragen werden keine beantwortet. Sind es übermotivierte Jungspunde? Programmierlehrlinge? Spontis? Nerds? Leiden sie unter geistiger Verwirrung infolge Vereinsamung? Keiner weiss es. Denn jeder kann bei der Scharade mitmachen.</p>
<p><strong>Hacker-Netzwerke zerstritten wie Gruppen der Jugendkultur</strong></p>
<p>Neben Anonymous gibt es eine ganze Bande von Rabauken, die die Mächtigen im Internet herausfordert. Sony, die CIA, die USA – kein Konzern zu gross, keine Institution zu wichtig, kein Land zu mächtig, um nicht von Lulz Security, Web Ninjas oder TeaMp0isoN attackiert zu werden. Sie schreiben sich hehre Ziele auf die Fahnen, führen untereinander erbitterte Kämpfe, versöhnen sich wieder, schliessen sich zusammen, kündigen ihre Auflösung an, nur um sich wenig später wieder zu vereinen – sie sind wechselhaft, wie Gruppen der Jugendkultur eben.</p>
<p>Neuerdings haben sich die Aktivisten von Anonymous der Weltrevolution verschrieben. Anfang Juni hat das Netzwerk «dem System» den Krieg erklärt. Auf youtube.com haben die anonymen Aktivisten einen Videofilm («The Plan») veröffentlicht. Die Welt sei korrumpiert worden, sagt «Anon» mit Computerstimme. In einem 3-Phasen-Plan wollen die virtuellen Revolutionäre während einem Jahr die Welt wieder ins Lot bringen. Weltrevolution 2.0, mediengerecht aufbereitet.</p>
<p>Die idealistischen Netzwächter spielen sich zu einer fünften Gewalt auf, ohne die Finessen der Demokratie zu kennen. Dass ihr poppiges Idol Julian Assange Opfer der strengen Schweizer Geldwäschegesetzgebung geworden war, die kein vernünftiger Mensch ablehnen würde – egal. Dass ihrem Kampf gegen vermeintlich böse Institutionen oder Firmen immer auch andere zum Opfer fallen, dass bei einem allfälligen Angriff auf eine Stadtverwaltung die Funktionsfähigkeit eines Spitals gefährdet wird – kein Thema.</p>
<p><strong>Die drohenden Kaskaden werden immer gefährlicher</strong></p>
<p>Bislang waren die Angriffe der Cyber-Rookies relativ harmlos, eher symbolischer Natur. Doch hinter der Drohkulisse verbirgt sich reale Gefahr. Was, wenn dem Netzwerk eine entschlossene Gruppe entwächst, wie einst die skrupellose RAF oder die finstere Al Kaida?</p>
<p>Beim Nachrichtendienst des Bundes (NDB) nimmt man die Entwicklung sehr ernst. «Ein Kollektiv von 16-Jährigen hat meist nicht die Kenntnisse, wie man sich wochenlang im Gespräch hält», ist Marc Henauer von der Melde- und Analysestelle Informationssicherheit (Melani) überzeugt. Da seien auch abgebrühtere Profis am Werk. «Wenn Anonymous will, findet es immer genügend Ressourcen, irgendwas kaputtzumachen», so Henauer. Da die Netze immer dichter würden, werde das Domino immer grösser – die Kaskaden, die ausgelöst werden können, immer gefährlicher. Die Musik der Internetjugend wird zusehends härter.</p>
<p>Wer ist wer? Wer kommt woher? Wer steht wofür? Das sind die grossen Fragen des Computerzeitalters. Denn für die Informationstechnologie gilt: Sie ist immer «dual use». Die meisten Anwendungen werden für «gute» Zwecke entwickelt, sie können aber genauso für «böse» verwendet werden. Keine Abwehrsoftware ohne exakte Kenntnis der Angriffssysteme. Doch in den Entscheidungsgremien von Wirtschaft und Verwaltung fehlt oftmals noch das Verständnis für die neuen Bedrohungen; Manager verstehen nichts von IT. Geschweige denn, dass sie jenen kryptischen Slang verstehen würden, der in den einschlägigen Chats verwendet wird.</p>
<p><strong>Der neuste Cybercrime-Trend: Proliferation</strong></p>
<p>«It’s the singer not the song» sangen bereits die Rolling Stones – wie wahr. Ein Sicherungssoftwareentwickler aus Finnland veröffentlichte im März 2011 Dokumente, die belegen, dass Ägyptens Staatsschutz 2010 beim privaten Sicherheitsdienstleister Gamma Security aus Dubai eine Offerte für das Tool «FinFisher» bestellt hat, eine deutsche Spionagesoftware. Einmal auf PCs eingerichtet, bietet die Anwendung weitreichende Manipulationsmöglichkeiten. Preis: eine Viertelmillion Euro.</p>
<p>Ägypten hat während des Umsturzes Anfang 2011 das Internet mehrere Tage abgeschaltet. Offenbar hatte es schon vor den Unruhen versucht, mithilfe einer Privatpolizei seine Bürger auszuspionieren. Sicherheitsexperten sprechen in diesem Zusammenhang von Proliferation der staatlichen Kontrolle – einem Begriff aus der Rüstungsindustrie, der die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen bezeichnet. Laut Henauer vom NDB eine jüngere, durchaus besorgniserregende Entwicklung in Sachen Cybercrime. Gut möglich, dass die nächste Virenattacke von einem Staat ausgeht.</p>
<p>Wer ist gut? Wer ist böse? Im Internet ist das alles sehr unklar. Staaten benutzen die gleichen Mittel wie anarchistische Hacker, Nachrichtendienste dieselben wie Verbrechersyndikate. Im Web hält sich niemand an die Regeln. Auch jene nicht, die neue Regeln einfordern. Das noch junge Internet wird es wohl nicht schaffen, ohne grössere Abstürze erwachsen zu werden.</p>
<p>Übrigens: Stuxnet ist eine sogenannte Open-Source-Software. Jeder kann den geheimnisvollen Superwurm herunterladen, weiterverbreiten, weiterentwickeln. Vielleicht wird er von seinen unbekannten Entwicklern ja bald als Ordnungshüter eingesetzt. Vielleicht wird «Elvis» die Dinge im World Wide Web bald in geordnete Bahnen lenken.</p>
<p>Stuxnet als eine Art Bootcamp-Programm für ein pubertierendes Internet? Sei auf der Hut, Anon!</p>
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		<title>Blattmanns schwierigste Mission</title>
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		<pubDate>Mon, 25 Apr 2011 08:58:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lukasegli</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Illustrierte]]></category>

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		<description><![CDATA[© Schweizer Illustrierte, 26.04.2011  Humor, Charme und Aufsässigkeit: Armeechef André Blattmann braucht sein ganzes rhetorisches Arsenal, um seinen Offizieren die Zukunft der Schweizer Armee zu erklären. Unterwegs mit dem Oberbefehlshaber. Von Lukas Egli Militärische Führung kennt einfache Prinzipien. Eines lautet: &#8230; <a href="https://lukasegli.wordpress.com/2011/04/25/blattmann-schwierigste-mission/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lukasegli.wordpress.com&amp;blog=6259143&amp;post=692&amp;subd=lukasegli&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>© Schweizer Illustrierte, 26.04.2011 </strong></p>
<p><em>Humor, Charme und Aufsässigkeit: Armeechef André Blattmann braucht sein ganzes rhetorisches Arsenal, um seinen Offizieren die Zukunft der Schweizer Armee zu erklären. Unterwegs mit dem Oberbefehlshaber.</em></p>
<p><strong>Von Lukas Egli</strong></p>
<p>Militärische Führung kennt einfache Prinzipien. Eines lautet: KKK – Kommandieren, Kontrollieren, Korrigieren. Der Befehl kommt von oben. Er wird peinlich genau ausgeführt. Keine Widerrede, marsch!</p>
<p>Das war einmal. Heute müsste man zumindest ein viertes K hinzufügen: für Kommunizieren. Oder gar ein fünftes: Konfrontieren. Keiner hat das besser verinnerlicht als André Blattmann, 55, seit dem 1. März 2009 Chef der Armee (CdA).<span id="more-692"></span>«Es ist mir ein Anliegen», erklärt er bei einem Truppenbesuch in Herisau, «dass Sie das eine oder andere aus erster Hand hören.» Die neunzig Schüler der Berufsunteroffiziersschule BUSA, angehende Berufsmilitärs, sitzen stramm im Versammlungsraum der Kaserne. Der CdA trägt wie sie Kampfanzug, die Ärmel bis hinter die Ellbogen hochgekrempelt.</p>
<p>«Welches sind die Eckwerte des Armeeberichts vom 1. November?», fragt er in das schmucklose Schulzimmer. Es ist keine rhetorische Frage. «Schreiben Sie es auf», befiehlt der höchste Schweizer Militär. «Sie haben zwei Minuten!» Schon startet er seinen stählernen Chronografen und schlendert erhobenen Hauptes zwischen den Tischen durch, lässt langsam seinen stechenden Blick von Schüler zu Schüler wandern.</p>
<p>Es ist eine knifflige Frage, die der Armeechef seinem Nachwuchs stellt, hat es doch mehrere Fassungen gegeben. Dass die Medien die Berichte als «unvollständig» und «unbrauchbar» taxierten, macht die Sache nicht einfacher. «Mir ist wichtig, dass die angehenden Berufsunteroffiziere wissen, wo die Armee steht», erklärt Blattmann. «Schliesslich sind sie unsere künftigen Botschafter.» Der Nachwuchs soll sich auch in unübersichtlichem Feld zurechtfinden, so sein Anspruch. Die Schweizer Sicherheitspolitik ist zum Minenfeld geworden.</p>
<p>Die Armee ist von allen Seiten unter Druck. In den Regionen schrumpft die Unterstützung für die oft lauten Aktivitäten des Militärs. Die Politik streicht ihr die Mittel. Die Wirtschaft will keine militärisch ausgebildeten Führungskräfte mehr. Und auch die Bevölkerung weiss nicht mehr recht, wofür es eine so teure Armee überhaupt braucht. Die Zeit des Selbstzwecks ist auch bei der heiligsten aller heiligen Kühe längst vorbei.</p>
<p>Doch haben das die Militärs selbst auch wirklich begriffen? Dies herauszufinden und gegebenenfalls zu korrigieren, ist CdA Blattmanns schwierigste Mission. Mit einfachem KKK wird sie nicht zu bewerkstelligen sein.</p>
<p>«Wenn der Bundesrat darauf besteht, dass wir jährlich tausend Millionen einsparen, wie es im aktuellen Armeebericht vorgesehen ist», mahnt der Chef vor seinen Unteroffizieren in Herisau, «dann bleibt bei der Armee kein Stein auf dem andern.» Nun geht sein Adlerblick auch in die hinteren Reihen des Schulungsraums, wo seine Ausbildner und Offiziere sitzen. «Einfach so weitermachen wie bisher, das wird nicht gehen!»</p>
<p>Als André Blattmann Mitte der 1980er-Jahre Einheitsinstruktor bei den Flab-Rekrutenschulen in Payerne war, verfügte die Schweizer Armee über 12 Divisionen, 17 Brigaden, 625 000 Soldaten. Blattmann hatte eine Banklehre bei der UBS gemacht, deren Generaldirektoren alle als Miliz-Oberste dienten. Damals war die Armee noch Teil der Schweiz, Teil der Wirtschaft. «Die Führungspersönlichkeiten, die aus der Armee kamen, hatten noch etwas anderes vor Augen als das schnelle Geld», ist Blattmann überzeugt. Er bildete sich zum Betriebsökonomen HWV weiter und machte einen MBA an der Universität Zürich. Zivile Bildung, die er heute als CdA gut gebrauchen kann. Denn er hat viel Vermittlungsarbeit zu leisten.</p>
<p>Blattmann spricht, er schreit nicht.</p>
<p>Er fragt, doziert nicht. Und der oberste Befehlshaber kann gut zuhören. Als ihn später in kleinerer Runde ein Unteroffiziersschüler auf Missstände bei Infrastruktur und Material aufmerksam macht, verdankt er die Kritik und verspricht Besserung. Mühelos wechselt der Zürcher zwischen Mundart, Hochdeutsch, Französisch und Englisch. Wie sein Vorgesetzter, Verteidigungsminister Ueli Maurer, stammt er aus Hinwil im Zürcher Oberland. Das gemeinsame Idiom schafft Vertrauen trotz unterschiedlichem Parteibuch: Ueli Maurer SVP, André Blattmann FDP.</p>
<p>Am liebsten stellt André Blattmann Fragen: «Ist es ein Ziel, nur noch 120 000 oder gar nur 60 000 Soldaten zu haben?» Die Frage hallt durch den Schulungsraum. Für die Verteidigung blieben beim vom Bundesrat vorgeschlagenen Bestand von 80 000 noch 15 000 Mann plus die Luftwaffe, erläutert er den Schülern. Keiner der jungen Militärs streckt die Hand auf, aber viele schütteln schweigend den Kopf. «Es ist nicht an uns, diese Frage zu beantworten», antwortet sich Blattmann selbst. «Aber wir müssen der Politik erklären, was es für unser Land bedeuten würde.»</p>
<p>Gerne wirft er einfache Fragen auf, auf welche es nur schwierige Antworten gibt. Und er liebt die Kunstpause. «Warum geht es uns in der Schweiz so gut?» – «Wegen den tiefen Steuern?» – «Natürlich nicht! Tiefe Steuern gibt es auch anderswo. Uns geht es so gut, weil wir viel arbeiten und alle gut ausgebildet sind. Und weil wir in Sicherheit leben!» Darum sein Tipp: «Lassen Sie sich nicht durcheinanderbringen. Dieses Jahr sind noch Wahlen. Politiker dürfen auch unausgegorene Sachen sagen.»</p>
<p>Überall auf der Welt seien derzeit die Armeen im Einsatz, erklärt der Armeechef. Katastrophenhilfe, Unterstützung der Sicherheitskräfte, Transportdienste – alle Teile des Militärs, von den Bodentruppen bis zur Luftwaffe, würden in Haiti, Chile, Australien und Japan gebraucht. «Wer von Ihnen wusste denn im Januar, dass es in Nordafrika zu Volksaufständen kommen wird?» Pause. «Keiner wusste es!» Pause. «Das EDA ging Anfang Jahr sogar noch davon aus, dass der Nahe Osten und Nordafrika zu den stabilsten Regionen der Erde gehören.» Womit auch die heikelste aller Fragen geklärt wäre: die nach der Daseinsberechtigung der Armee.</p>
<p>Heute spricht er vor Unteroffizieren und Ausbildnern in Herisau, morgen wird er vor den Angestellten des Flugplatzes Meiringen BE sprechen, danach geht es nach Magglingen BE zu einem Führungsseminar mit seinen Offizieren. Der Chef der Armee spricht mit Wirtschaftsführern, mit Politikern, mit Behörden. «Die Armee hat es während Jahren verpasst, zu erklären, was sie eigentlich macht und was sie will», sagt er. Ein heutiger General muss viel reden. Nicht befehlen.</p>
<p>Dann steigt der CdA in den Eurocopter.</p>
<p>«Tolles Flugwetter!», sagt er. «Bestimmt wird mir das als Ferientag abgezogen.» Dass ihn der Armeehelikopter später zu Hause auf dem Mont Vully absetzen wird – fraglos ein verdientes Privileg. Am nächsten Morgen geht der Redemarathon weiter: «CdA-Zmorge», geladen sind die Flugplatzangestellten und Anwohner. Auf dem Programm: jede Menge einfache Fragen. Und schwierige Antworten.</p>
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