Das hässliche Entlein

© «NZZ Folio», November 2008 (PDF)

Grenchen ist der unattraktivste Ort der ganzen Schweiz. Wie lange noch? Die Krisenstadt arbeitet intensiv an ihrem Image. Und punktet.

Von Lukas Egli

Das grösste Ärgernis des SBB-Fahrplans ist der Halt des Intercitys von Zürich nach Neuenburg in Grenchen Süd. Steigt hier überhaupt jemals einer ein oder aus? Der Halt verspricht zudem ein «Nord», ein «West», ein «Ost». Ein Grenchen Nord gibt es wohl, aber nicht, weil der Ort so bedeutend wäre, dass er zwei Bahnhöfe brauchte. Vielmehr ist der Grund die ungünstige Lage der Stadt: Die SBB-Linie von Osten und die BLS-Linie von Norden vereinen sich erst einige hundert Meter vom Ortsausgang entfernt. Eigentlich wäre die doppelte Anbindung ans Schweizer Schienennetz ein Vorteil. Tatsächlich aber unterstreicht sie die Zweiteilung der Stadt am Jurasüdfuss und förderte ihren Niedergang.

Wer in Grenchen Süd aussteigt, wird vom neuen Kunsthaus empfangen. Der lichte Glasbau, der sich an ein frisch renoviertes Herrschaftshaus lehnt, ist der vorläufig letzte Akt einer Reihe von gezielten städtebaulichen Eingriffen, die der Uhrenstadt den Wakkerpreis 2008 eingetragen haben, die Auszeichnung des Schweizer Heimatschutzes. Allerdings gähnen darum herum noch immer die Kulissen des Geisterbahnhofs. Früher frotzelte man in Biel, Grenchen sei nur das Rotlicht auf dem Weg nach Solothurn; die Bieler mussten auf dem Weg nach Osten stets an derselben Ampel vorbei und schlossen Wetten ab. Wer auf Rot tippte, gewann. Die Grenchener selbst konnten die vierspurige Strassenschlucht nur unterirdisch passieren. Es soll Leute gegeben haben, die sie nie überquert haben. Diese Zeiten sind nun vorbei.

Heute ist die Solothurnstrasse die einzige Kantonsstrasse der Schweiz, auf der nur 20 km/h gefahren werden darf. Auch das ein Grund für den Wakkerpreis, der den «sorgsamen Umgang Grenchens mit den Bauten der Nachkriegszeit» lobt. Auf Höhe Marktplatz wird die Hauptverkehrsachse von einem breiten Fussgängerband unterbrochen. Erst diese Begegnungszone gab dem unpopulären Ort eine Art Zentrum. Von oben sieht sie aus wie ein Heftpflaster. Städtebauliche Wunden heilen langsam. Narben verschwinden nie.

«Wenn das hier keine Qualität ist, dann weiss ich auch nicht», sagt Boris Banga. Mit einigem Eifer zeigt der Grenchener Stadtpräsident Ortsunkundigen seine Stadt. Der Sozialdemokrat fährt sie mit seinem BMW-Geländewagen zu den Südhanglagen, von wo der Blick über Alpen, Bielersee und den Jura geht. Schweigend steht er dann da, als verschlüge ihm die Weitsicht auch beim hundertsten Mal noch die Sprache. Dann packt er seinen Gast resolut am Arm und zieht ihn zurück in den Wagen, als könne er es kaum erwarten, das nächste Ziel anzusteuern.

Bangas Fieber hat einen Grund: Alle Jahre belegt seine Stadt in der Liste der «Schweizer Top-Städte» des Zürcher Wirtschaftsmagazins «Bilanz» den letzten Platz. Als «katalogisierter Hafechäs» bezeichnete der Stadtpräsident die Rangliste in einer Stellungnahme. Im Gespräch wird der Fürsprecher, der Grenchen seit 1981 vorsteht, deutlicher: «So ein Scheiss!» sagt er, als er durch das Zentrum rollt. Obwohl er die Schmach schon seit einigen Jahren erleidet, will er sich nicht daran gewöhnen, Präsident der lebensunwürdigsten Stadt der Schweiz zu sein. «Allein die Kriterien!» ruft er und schlägt die Faust auf das Steuerrad.

Tatsächlich wartet die «Bilanz»-Rangliste mit einigen Absurditäten auf. So belegt die gesichtslose Zürcher Vorortsgemeinde Wallisellen, deren grösste Attraktion das Einkaufszentrum Glatt ist, den 4. Rang. Es ist die Nähe zur Stadt und die vielen Stellen in der Dienstleistungsbranche, die den Autoren gefallen haben. Opfikon im Kanton Zürich kommt auf den 7. Platz, weil es die zweitmeisten Hotelübernachtungen der Schweiz verzeichnet. Dass Opfikon unter Fluglärm leidet wie kaum eine andere Stadt, fand keinen Niederschlag in der Bewertung. Zollikon rangiert auf dem 8. Rang, obwohl das Goldküstendorf immer mehr zum gesichtslosen Villenviertel verkommt; so zumindest sehen es alteingesessene Zolliker. Banga rauft sich die Haare. «Das Ranking berücksichtigt die Scheidungsrate», sagt Boris Banga. «Was, bitte, hat denn die mit Lebensqualität zu tun?» Seit er geschieden sei, gehe es ihm erheblich besser.

Auch seiner Stadt geht es nach einer Zäsur besser denn je. Grenchen war ursprünglich ein Bauerndorf, nicht reich, nicht arm, und noch heute nimmt die Landwirtschaft einen wichtigen Platz ein; Grenchen ist die zweitgrösste Bauerngemeinde des Kantons Solothurn. Nach der Abschaffung des Gewerbezwangs 1851 beschloss das Dorf, in die Uhrenindustrie einzusteigen. Die Grenchener schickten ihre ­Söhne zur Lehre in den Jura und errichteten entlang den Wasserläufen Manufakturen. So entstand das eigenartige Stadtbild, in dem Kirche neben Fabrik, Fabrikantenvilla neben Bauernhaus steht, alles leicht verschoben, wie auf einem Picasso-Portrait, bei dem Nase und Augen keinen festen Platz haben. Bis in die 1960er Jahre hatte die Stadt ein stetiges Wachstum. Am Schluss wartete sie auf ihren 22 000. Einwohner. Vergebens.

Anfang der 1970er Jahre brach jäh die Uhrenkrise über die Jurastädte herein. Die billige Quarzuhr aus Asien, die ironischerweise in Neuenburg erfunden worden war, stellte die mechanische Schweizer Uhr grundsätzlich in Frage. Die Hälfte der Uhrenbetriebe mussten schliessen. Stammten in den 1960er Jahren 50 Prozent aller Uhren weltweit aus der Schweiz, waren es am Tiefpunkt der Krise gerade noch 15 Prozent. Die Krise vernichtete die Hälfte aller Arbeitsplätze in der Uhrenindustrie, insgesamt fast 100 000 Stellen. Eines der Hauptopfer war das Mauerblümchen zwischen der ewigen «Zukunftsstadt» Biel und der «Barockstadt» Solothurn.

Die Krise hat das Image von Grenchen entscheidend geprägt. Und diesen Ruf wird es nicht mehr los. Von Krisenstimmung indes ist in Grenchen selbst wenig zu spüren, im Gegenteil. Ausser dass der Schock des Niedergangs den Betroffenen noch immer in den Knochen sitzt. Etwa Erich Blösch. Seit 1981 führt er mit seinem Bruder in zweiter Generation die Blösch Corporation Inc. Die Firmengruppe, einst ein reiner Uhrenindustriezulieferer, ist heute auf Beschichtungstechnik spezialisiert und beschäftigt weltweit 250 Mitarbeiter, 160 davon in Grenchen und Umgebung. «Unsere Stadt hat sich in den letzten zwanzig Jahren komplett verändert», sagt Blösch, der das Negativimage seines Standorts nicht versteht. Grenchen sei hart von der Uhren- und der Weltwirtschaftskrise getroffen worden, aber 100 KMU hätten überlebt. Sie stünden heute stärker da denn je. Wer durchs Feuer ging, weiss um seine Stärken.

In der Uhrenindustrie kommen sämtliche Formen moderner Hochpräzisionstechnik zum Einsatz: Metall- und Kunststoffverarbeitung, Beschichtungstechnik, Präzisionsmechanik, Automation, Optik, Elektronik. In Grenchen finden diese Hightech-Industriezweige in Cluster zusammen: die Medizinaltechnik mit Börsenlieblingen wie Synthes, Striker, Mathys, Thommen Medical und Ypsomed; die Zulieferbetriebe der Automobilindustrie, die jedes Jahr für Hunderte von Millionen Bauteile in alle Welt exportieren, sowie die Veredelungsindustrie.

Die Potentialstudie der Credit Suisse erkannte die Region 2007 als eine der zukunftsträchtigsten der Schweiz. «Ich glaube nicht, dass es weltweit einen vergleichbar starken KMU-Standort gibt», sagt Blösch. Grenchen sei heute krisenresistent, weil es nicht mehr so stark vom Uhrenmarkt abhängig sei. «Wir sind einmalig. Nun muss man diese Botschaft nur noch verbreiten», sagt er. Da liegt das Problem.

Das schlechte Image ist ein Selbstläufer. Wie beim österreichischen Wein: Obwohl in Österreich seit einigen Jahren einige der besten Weine der Welt gekeltert werden, erinnern sich die Leute immer nur an den Frostschutzmittel­skandal von 1985. «Only bad news are good news», zitiert Blösch ein Medienbonmot, während er seine Lesebrille so stark verbiegt, dass man fürchten muss, sie gehe kaputt. «Wir sind eine der potentesten Regionen der Schweiz. Wir haben nicht nur Arbeitsplätze – wir haben interessante Arbeitsplätze», sagt der Unternehmer. Das einstige Verkehrshindernis Grenchen ist Wachstumsmotor geworden.

Das wiedererwachte Selbstbewusstsein der Unternehmer ist Balsam für die Seele des Stadtpräsidenten. Mit einem Diavortrag reist Boris Banga umher und präsentiert allen, die es hören wollen, seine «Stadt der überraschenden Möglichkeiten». Tatsächlich hat das hässliche Entlein am Jurasüdfuss einiges zu bieten, um das es manch andere Gemeinde beneiden müsste. «Wussten Sie, dass Grenchen am Wasser liegt?» fragt Banga, nachdem er seinen Offroader durch die Problemquartiere Lingeriz und Breite gekurvt hat, die wegen der grossen Zahl schlecht integrierter Ausländer für negative Schlagzeilen sorgen. Ohne auf eine Antwort zu warten, biegt er auf ein Strässchen ab und verkündet: «Das hier ist unser Bijou.»

Das Schmuckstück heisst Staad und ist ein Weiler an der Aare: eine Ansammlung von alten Bauernhäusern, vereinzelten Wohnhäusern und einer Kirche, dazwischen Kopfsteinpflaster, daneben der Fluss. Auch hier hält Boris Banga inne, sitzt in seinem Wagen, atmet tief aus. «Wir sind an die Aareschifffahrt angeschlossen, die zwischen Biel und Solothurn verkehrt», sagt er. Nun tönt er müde. Wie oft mag er diese Tour schon gemacht, wie oft die Vorzüge seiner Stadt hervorgehoben haben? Wie oft mag er schon versucht haben, die Argumente der Wirtschaftsjournalisten, die sein Grenchen genüsslich abklassieren, zu widerlegen?

Was man im Zentrum als Gesichtslosigkeit wahrnimmt, entpuppt sich von fern als Grosszügigkeit: Grenchen hat Luft. Die Stadt hat eine Weite, die nur Industriestädten eigen ist. Banga nennt es «Gartenstadt». Dass die «Altstadt» aber nur aus einer kurzen Gasse zwischen Kirche und Pfarrhaus besteht, schmerzt. Dafür ist die Ausdehnung der Gemeinde erstaunlich. Sie reicht von der Aare (400 Meter über Meer) bis auf die Grenchenberge (1500 Meter), von der Angrenzung an die französischsprachigen Romont und Court bis zum malerischen Rüti bei Büren, Heimatort von Bundesrat Samuel Schmid, das gegenüber von Staad liegt. Rüti gilt als schönes Dorf. Grenchen ist Stadt und hat mit dem Südhang die besseren Lagen. Doch der Reiz des Industriellen erschliesst sich nicht jedem. Die Erlösung vom schlechten Ruf liegt so nah. Und bleibt doch so fern.

Intensiv hat die Krisenstadt an ihrem Image gearbeitet. Sie hat eine Agentur mit dem Standortmarketing beauftragt, hat Strategien entwickelt, um Menschen und Firmen anzulocken, hat das Stadtbild verbessert. Die Bilanz bleibt durchzogen. «Die Entwicklung der Industrie ist sehr erfreulich», sagt René Götz von BHP – Hanser & Partner, der im Mandatsverhältnis die Wirtschaftsförderung betreibt. «Aber die Wohnstandortentwicklung ist noch immer negativ.» Gren­chen müsse aufpassen, dass es seine Zentrumsfunktion nicht verliere. «Der Bau der Autobahn A 5 hat zwei Seiten: Man ist heute schneller in Grenchen. Man ist aber auch schnell wieder weg», sagt Götz.

Würde die Wirtschaft noch zehn Jahre so weiterwachsen, würde der Funke auch auf den Wohnstandort überspringen. Es sieht aber nicht so aus, als ginge es nur noch aufwärts. Zwar hat die Gemeinde attraktives Bauland zu bieten. Doch ist das Mietzinsniveau zu tief. «Es ist schwierig, Investoren zu finden, die qualitativ hochstehenden Wohnraum errichten», sagt Götz. Auch dies sind Nachwehen der Krisenjahre.

«Wer lange eine hohe Arbeitslosenrate hatte, entwickelt eine starke Orientierung auf Sozialsysteme», erklärt Walter Sahli, Präsident des Industrie- und Handelsverbands. Das zog viele Arbeitslose an. Die Ausrichtung auf Sozialhilfeempfänger förderte den sozialen Wohnungsbau. Die Gutverdiener zogen in die steuergünstigeren Nachbargemeinden ab, weil sie ständig zur Kasse gebeten wurden. «Unser Ziel muss sein, die besten Fachleute mit ihren Familien hierzubehalten», sagt Sahli. Dafür brauche es nicht nur gute Jobs, sondern auch gute Schulen und ein attraktives kulturelles Angebot. «Da ist noch einiges zu tun.» Allerdings macht das nähere Umfeld nicht immer mit. Es scheine manchmal einfacher, mit Baden-Württemberg ein Abkommen zu finden als mit dem Kanton Bern. Die Berner fahren lieber kilometerweit mit eigenen Ambulanzen und Feuerwehren, als sich an einem näher gelegenen Dienst des Kantons Solothurn zu beteiligen.

«Unsere wahren Probleme sind ganz anderer Natur», sagt Sahli. «Wir kämpfen gegen einen akuten Fachkräftemangel.» Trotz grossen Anstrengungen in den letzten Jahren können nicht genug junge Leute motiviert werden, in die Industrie einzusteigen. Jedes Jahr scheiden 150 Fachleute altershalber aus, für die kein Ersatz gefunden werden kann. Neben den «Wohlfühlfaktoren» hätten diese harten Faktoren mehr Gewicht. Diese Entwicklung ist eine direkte Folge der Geringschätzung der Industrie in der Schweiz. «Man gaukelt den Jugendlichen heute vor, dass die Arbeitswelt aus schicken Glasbüros und adrett gekleideten jungen Damen bestehe. Der Facharbeiter hat in dieser glänzenden Businesswelt keinen Platz», klagt der Industrielle. «Wir aber leben von ihm. Der ganze Werkplatz Schweiz lebt letztlich vom gut ausgebildeten, leistungsbereiten Arbeitnehmer.»

Die Stadt wächst, die Industrie brummt, es gibt Auszeichnungen. Könnte Grenchen nicht darauf pfeifen, was die Restschweiz denkt? «Unser Image kann uns nicht egal sein», sagt Boris Banga auf dem Weg zum Höhepunkt seiner «Tour de Granges», dem Flughafen. Zwar sei Grenchen mittlerweile einer der dynamischsten Industriestandorte der Schweiz. Seit 2000 ist die Zahl der Arbeitsplätze um 10 Prozent auf knapp 9000 gewachsen; beachtlich bei einer Einwohnerzahl von 16 000. Doch brauche die Stadt auch Menschen, die hier lebten. Vor allem die Topkader der Hightech-Industrie wohnen auswärts. «Es ist steuerlich uninteressant, nur Arbeitsort zu sein», erklärt Banga, während ein Jet der hiesigen Uhrenfirma Breitling zum Start ansetzt.

Als der Lärm anschwillt, zeigt das Gesicht des Stadtpräsidenten sein breitestes Lächeln. 80 000 Starts und Landungen verzeichnet der Grenchener Flughafen pro Jahr. Er ist nach Bewegungen der viertgrösste Flugplatz des Landes. «Wenn es um den Flughafen geht, haben wir einstimmige Beschlüsse», sagt Banga triumphierend in Anspielung auf Zürich, das ewig über Fluglärm diskutiert und um Einigkeit ringt. «Wir sind in einer Gegend, in der man weiss, woher das Geld kommt.» Der Flugplatz lockt nicht nur weitere erfolgreiche Hightech-Firmen hierher. Er verleiht dem Ort auch ein internationales Flair. Spätestens hier wird klar: Grenchen wird nur in der Schweiz unterschätzt.

Direkt neben dem Flughafen hat die Gemeinde vor fünf Jahren eine 200 000 Quadratmeter grosse Industriezone geschaffen. Sie muss laut Banga schon bald vergrössert werden. «Man muss mit den Investoren sprechen, man muss seine Stadt verkaufen», sagt er, der sich selbst als liberalsten Wirtschaftspolitiker der Schweiz bezeichnet. «Man kann nicht nur Prospekte drucken.»

Das Standortmarketing ist nur Begleitinstrument, es muss etwas zu verkaufen haben. Banga verkauft am liebsten «seine» Industrie. Eine Botschaft, die im Dienstleis­tungsland Schweiz nicht gut verstanden wird, wie das ­«Bilanz»-Ranking zeigt. «Man kann keine Sozialpolitik machen, wenn man keine Arbeitsplätze hat. Das A und O erfolgreicher Politik ist eine funktionierende Wirtschaft», doziert er unbeirrt. Am Anfang stehen Jobs, nicht schöne Wohnungen. Diese Lektion hat man im krisengebeutelten Grenchen gelernt. «Wenn ich spätabends nach Hause fahre und in den Fabriken Licht brennen sehe, bin ich glücklich.»

Langsam rollt Boris Banga durch die Strassen, zeigt auf die Fabriken und Manufakturen, als wäre er der Patron all dieser Firmen. «Unsere Leute sind gross im Kleinen», schliesst der Stadtvater liebevoll. Wenn er noch einmal beginnen könnte, würde er Unternehmer werden. Es gibt Städte, die werden von Menschen geprägt. Und es gibt Städte, die prägen Menschen. Grenchen hat aus einem überzeugten Sozialdemokraten einen potentiellen Industriellen gemacht.

Die zur Swatch Group gehörende ETA, weltweit die grösste Herstellerin mechanischer Uhrwerke und die wichtigste Arbeitgeberin in Grenchen, wollte sich zu ihrem Standort nicht äussern. Nur Folgendes war dem CEO von Swatch, Nicolas Hayek junior, zu entlocken: Dass die ETA in Grenchen stehe, sei historisch bedingt. Im Unterschied zu Zürich, das von der Banken- und Versicherungsbranche lebe, sei Grenchen ein klassischer Industriestandort – mit allen Vor- und Nachteilen. Angesichts der internationalen Finanzkrise bleibe ihm mit Blick auf Zürich nur zu sagen: «Good luck!»

Machs gut, Zürich! Das eigenwillige Städtchen am Jurasüdfuss hat dir eines voraus: Es hat seine grosse Krise schon hinter sich.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Die Anatomie der Peripherie, NZZ Folio, Politik, Wirtschaft

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s