Vom Fach: Neulich hinter der Bühne

© NZZ Folio, 2. Februar 2009

Mittwochmorgen, 7 Uhr auf der leeren Hauptbühne einer mittelgrossen Oper. Neonlicht. Was reden die da? Wir übersetzen.

Von Lukas Egli

«Da bist du ja. Wir haben dich schon über Intercom gesucht.»
«Ich war auf dem Schnürboden.»
«Siehst frisch aus. Geht es dir gut?»
«Ja. Es ist Morgen.»
«Mh.»
«Hoffmann ist ausgefallen. Da gingen wir halt in die Beiz.»
«Wollen wir die Züge besprechen?»
«Okay.»
«Hier kommt der Grosse Schwarze.»
«E 34 – okay.»
«Hier die Opera.»
«Das ist nicht gut. Da hab ich die Profiler parkiert.»
«Das musst du wechseln. Hier kommen die Soffitten.»
«Gut.»
«Auf E 37 zwei PC.»
«So weit hinten noch Licht?»
«Offenbar.»
«Ist das alles? Dann geh ich mal ans Pult, fahre ein paar Züge runter.»
«Übrigens: Der E 11 ist gestorben.»
«Also, dann geh ich ins Café.»
«Hahaha.»

Intercom: Freisprechanlage. Schnürboden: Zwischendecke oberhalb der Bühne, von der aus die Seilzüge bedient werden. «Les Contes d’Hoff­mann»: Oper von Jacques Offenbach. Züge: Seilwinden, an denen Dekor befestigt wird. Grosser Schwarzer: Bühnenabschluss hinten. E 34: elektrischer Seilzug. Opera: Folie, die Licht und Farben reflektiert. Profiler: Scheinwerfer, deren Lichtkegel geschnitten werden können. Parkieren: Dekor einer Vorstellung in einem Zug versorgen. Soffitten: Vorhangabschlüsse oben. PC: plankonvexe Leuchten; Streulichtlampen. Fahren: hoch- und runterziehen. Gestorben: Planung, die nicht umgesetzt wird.

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