Archiv der Kategorie: Beobachter

Der Fluch der Beständigkeit

Erschienen in NZZ Folio, 2. November 2009 (PDF)

Drei Erfindungen, drei tragische Ereignisse, drei Generationenwechsel: Die Tösstaler Pfannenfabrik Kuhn Rikon hat ­schon viel überstanden. Die grösste Prüfung steht noch aus.

© Lukas Egli, 2009

Eine gute Pfanne verkauft man so: Man versucht einem Kunden zu erklären, weshalb eine Markenpfanne 200 Franken kostet, während eine Billigpfanne für einen Viertel des Preises zu haben ist. Die Gründe können lauten: Weil die Markenpfanne hochwertiger ist. Oder schöner. Da ist viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Ist man endlich fertig und war erfolgreich, hat man 200 Franken Umsatz gemacht. Das gibt 100 Franken für den Verkäufer und 100 Franken für den Hersteller. Pfannen verkaufen ist kein Bomben­geschäft. Es ist das Geschäft des Familienbetriebs Kuhn Rikon.

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Eingeordnet unter Beobachter, Die Anatomie der Peripherie, Wirtschaft

Ein Tal unter Strom

Erschienen in «Beobachter», Juli 2008

Im bernischen Oberhasli liegen sich Umweltschützer und Stromproduzenten in den Haaren. Die Streitfrage: Dürfen für den wachsenden Energieverbrauch Arven und Enziane sterben?

© Lukas Egli, 2008

Die Schönheit der Alpen ist eine Hypothek. So zum Beispiel im Oberhasli, einem abgelegenen Berner Bergtal, das wie fast alle Randregionen ums Überleben kämpft. Im Unterschied zu anderen Tälern hat das Oberhasli eine wertvolle Ressource: Wasser, viel Wasser. Oder besser: Das Oberhasli hätte Wasser. Die Möglichkeitsform bringt die Hasler in Rage. Wer über ihr Wasser bestimmt, kann ihnen nicht gefallen: Es sind die Städter. Doch beginnen wir von vorn. Weiterlesen

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Die Spaghetti-Factory

© «Beobachter», Juni 2008

Gewisse Dinge sollten bleiben, wie sie immer waren. Zum Beispiel die Spaghetti aus Poschiavo. Seit fast 100 Jahren wird diese Delikatesse vorwiegend in Handarbeit hergestellt.

Von Lukas Egli

Gewisse Dinge ändern nie, zumal in einem Bergdorf nicht. Zum Beispiel gewisse Machtverhältnisse. Es war spät an einem Abend Ende Mai in Poschiavo. An der Bar des Hotels Albrici sassen noch der Gemeindepräsident, der Pfarrer und der Wirt bei einem Glas Rotwein. Sie diskutierten das Parkplatzproblem ihres hübschen Städtchens am südlichen Rande Graubündens. Die Kirche solle ihren grossen Abstellplatz beim Friedhof endlich der Gemeinde überlassen, fand das Gemeindeoberhaupt. Er sei zwar nicht sonderlich gepflegt, sein Parkplatz, dafür sei er gratis, erwiderte der Gottesmann. Der Wirt hörte stumm zu und meinte, als Hotelier in einem kleinen Ort mische man sich besser nicht in die Lokalpolitik ein. Der Staat will, die Kirche hat – und das Volk? Es arbeitet. Weiterlesen

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Binggelis letzter Tag

© «Beobachter», Mai 2008

Täglich geben in der Schweiz drei Landwirte ihren Hof auf. Am 6. Mai waren Ruth und Werner Binggeli dran. Es ist ein harter Schlag, wenn ein ganzes Bauernleben unter den Hammer kommt.

Von Lukas Egli

Das hier könnte einer der schönsten Flecken auf Erden sein: das Dorf Riffenmatt bei Guggisberg. Es liegt auf dem sanften Egg zwischen Sense, Schwarzwasser, Gantrisch und Stockhornkette und bietet eine grandiose Aussicht auf das Schwarzenburgerland. Hier, am Ursprung des berühmtesten Schweizer Volkslieds, «Vreneli ab em Guggisbärg», blühen Anfang Mai die Bäume, Sträucher und Blumen, die Wälder und Matten sind von sattem Grün und die Menschen in Vorfreude auf den Sommer, auf lange, warme, ertragreiche Tage. Die Kühe dürfen wieder öfter auf die Weide, die Saat ist ausgebracht, bald steht der erste Heuet an. Es ist ein fröhliches Aufleben nach einem langen Winter. Nur für Binggelis ists ein trauriger Tag. Sie verabschieden sich aus dem Zyklus von Aussaat und Ernte. Sie versteigern ihr Hofinventar samt Vieh. Binggelis geben auf. Wie täglich drei andere Bauern auch. Weiterlesen

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Echter Emmentaler kommt aus Zürich

© «Beobachter», April 2008

Überzeugen Sie mal einen Käser von einer neuen Idee! Alfred Bieri hats geschafft, gleich mehrfach. Mit «Natürli» mischt er den Käsemarkt auf – sehr zum Wohl von Produzent und Konsument.

Von Lukas Egli

Es ist einer der grössten Momente in einem Käserleben: die Verkostung einer neuen Käsesorte. Vorsichtig sticht Walter Gerhard den Laib an, zieht die Bohrprobe heraus, reicht Alfred Bieri von «Natürli» ein Stück und führt den Rest zum eigenen Mund. Seit gut 20 Jahren führt Gerhard nun die Käserei Tisenwaltsberg in Bäretswil im Zürcher Oberland. Er hat sie damals von seinem Vater übernommen, der wie viele in der Gegend jahrzehntelang nur eines tat: Emmentaler produzieren für die Käseunion, jahrein, jahraus. So machte es auch Walter Gerhard. Bis Alfred Bieri kam. Weiterlesen

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Im Schloss des Merlotkönigs

© «Beobachter», März 2008

Einen der besten französischen Weine macht ein Italiener im Tessin: Luigi Zanini. Unübertroffen schmeckt sein «Castello Luigi» mit einem Risotto, der den Wein geatmet hat.

Von Lukas Egli

Wenn man alles erreicht hat, findet man wieder Freude an den einfachen Dingen. Zum Beispiel an einem guten Mittagessen mit einem schönen Glas Rotwein. Am schönsten ist es, wenn das Gericht mit dem Wein eine einmalige Verbindung eingeht. Oder umgekehrt. Weiterlesen

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Köstliche «Faulenzer»

© «Beobachter», Januar 2008

Capuns sursilvans kennt man in Dutzenden Varianten. Die besten aber – die ungewickelten Krautwickel – gibts nur für Bündner. Ausser man weiss den Weg in die Ustria Mundaun in Castrisch.

Von Lukas Egli

Es geschah über Mittag mitten in der Woche nach einem langen Morgen. In der Ustria Mundaun in Castrisch, einem kleinen Dorf kurz vor Ilanz, abseits der touristischen Trampelpfade, empfahl die Wirtin «Capuns dalla Tatta». Die Capuns nach Grossmutterart seien eine Spezialität, die man in den Restaurants der Surselva kaum je bekomme, sagte Jolanda Cabalzar. «Es sind ungewickelte Krautwickel. Man nennt sie auch Faulenzer-Capuns.» Das klang doch interessant. Es entpuppte sich als wahre Offenbarung. Weiterlesen

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