Archiv der Kategorie: brand eins

Vom Schlachten heiliger Kühe

Erschienen in Brandeins, 23. Oktober 2009 (PDF)

Schweizer suchen ungern Streit. Harmonie ist ihnen lieber. Doch darüber bleibt viel liegen. Ein Institut in Zürich bekam die Aufgabe, wie die Hefe zu wirken im trägen Teig. Nun erweist es sich als schockierend unabhängig. Ein Experiment mit offenem Ende.

© Lukas Egli, 2009

Einmal Kuhschweiz, immer Kuhschweiz. Dabei ist die Schweiz schon lange kein Bauernland mehr. Nur vier Prozent der Bevölkerung leben noch von der Landwirtschaft, dennoch wendet das Land jedes Jahr mehr als vier Milliarden Franken zur Stützung des Bauernstandes auf – genauso viel wie für Bildung und Forschung. Die Landwirte sind eine Macht in dem Land, das sich rühmt, der siebtgrösste Finanzplatz und eines der wettbewerbsfähigsten Länder der Welt zu sein. Wie legitim sind die Subventionen noch angesichts globaler Märkte? Nützen sie der Allgemeinheit? Und: Halten die Bauern eigentlich, was sie versprechen?

Ein Ketzer, wer solche Fragen stellt.

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Im Haifischbecken

Erschienen in «Brandeins», 1. Juni 2008

In Deutschland unvorstellbar, in der Schweiz normal: Dort konkurrieren die Kantone erbittert um die besten Steuerzahler. Das unbedeutende Obwalden tut sich dabei besonders hervor.

© Lukas Egli, 2008

Der Schweizer Steuerwettbewerb wird mit harten Bandagen geführt, und bisweilen gibt es Opfer. Kein Steuerstandort ohne Steuerskandal, frotzelt man. Zum Beispiel im Kanton Zürich. Es war eine Meldung wie ein Donnerschlag, als die Kantonsregierung vor zwei Jahren verkündete, dass sie Andreas M. Simmen, damals seit zwei Jahren unbescholtener Chef des Kantonalen Steueramts, fristlos entlasse. Was hatte der Beamte nur verbrochen, dass man ihn so unsanft von seinem Amt entfernte? Hatte er Geld unterschlagen? War er korrupt? Ein Geldwäscher? Weiterlesen

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Adieu, Heidi-Land

Erschienen in «Brandeins», 1. Januar 2008

Was kann der Natur Besseres passieren, als dass der Mensch sie in Ruhe lässt? Dass der Mensch sie bewirtschaftet. Erfahrungen aus dem Tessin, dessen Bergregionen verwildern.

© Lukas Egli, 2008

Für Touristen ist das Tessin ein Paradies: Es ist im Süden, aber nicht zu weit weg; es ist sonnig, aber nicht zu heiß; es ist Italien, aber sauber und verlässlich. Schweiz halt, aber mit italienischem Flair. Das Tessin ist ein Wunschziel, ein Versprechen. Doch eigentlich ist das Tessin etwas ganz anderes: eine raue Gegend auf der Alpensüdseite, aus der sich der Mensch langsam zurückzieht. Weiterlesen

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Der Anarcho-Bankier

Erschienen in «Brandeins», 1. Januar 2008

Konrad Hummler ist: frech, lustig, kreativ. Und erfolgreich. Porträt eines ungehörigen Eidgenossen.

© Lukas Egli, 2008

Moderne Banker erkennt man am Wagen, an der Uhr und der Wohnung: groß, neu und teuer. Einen Bankier hingegen erkennt man, wenn überhaupt, an seiner Zurückhaltung, wenn es um Wertsachen geht. Während man den Banker in der Zeitung findet, beispielsweise wenn er sein exorbitantes Gehalt rechtfertigt, existieren vom Bankier kaum Wortmeldungen. Sein Geschäft ist die Diskretion. Weiterlesen

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Benutzen, nicht besitzen

Erschienen in «Brandeins», 1. Oktober 2007

Ein Auto haben, ohne sich darum zu kümmern? Das könnte die Zukunft des Automobils sein, wie ein Blick in die Schweiz zeigt.

© Lukas Egli, 2007

Immer mehr Menschen fahren immer mehr Autos. Fahren? Das ist wohl das falsche Wort. Immer mehr Autos verursachen immer mehr Staus; meist rollen sie lediglich. Andererseits wird ein Personenwagen im Schnitt nur rund eine Stunde am Tag bewegt. Eigentlich müsste man also sagen: Immer mehr Menschen lassen immer mehr Autos herumstehen. Ein ökonomischer Unsinn, dem Abhilfe verschafft werden könnte. Weiterlesen

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Der Verlag sind wir

© «Brandeins», März 2007

Aus dem Nichts, mit Glück, Geschmack und Eigensinn haben Daniel Keel und Rudolf C. Bettschart ein Verlags-Imperium geschaffen. Nur: Wer soll ein solches Traumpaar je ersetzen?

Von Lukas Egli

Letztlich sind es vor allem Fragen, die in Erinnerung geblieben sind. Eine fiel beim ersten Treffen, vor rund 15 Jahren. „Was lesen Sie denn so?“, wollte Daniel Keel wissen. Die Betonung schwankte zwischen Interesse und Arroganz. Dem 19-jährigen angehenden Verlagsbuchhändlerlehrling kam vor Aufregung kein einziger Name in den Sinn. Und da auch der Verleger nicht in Redelaune war, herrschte zwischen dem zukünftigem Lehrmeister und dem Auszubildenden ein nachhaltiges Schweigen. Man saß in einem großem Büro in der dritten Etage an einem Salontisch, umgeben von bedrucktem Papier aller Art – Bücher, Manuskripte und Hefte, aufgereiht, gestapelt und verstreut. Weiterlesen

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