Archiv der Kategorie: Die Anatomie der Peripherie

Der kleine Sonnenkönig

© Schweizer Illustrierte, 18.04.2011

EU-Befürworter, AKW-Gegner, machtbewusst: Der Grünen-Pionier Ruedi Baumann war erfolgreich – und umstritten. Seit zehn Jahren lebt er im Südwesten Frankreichs den Traum vom grünen Leben.

Von Lukas Egli

Vor der Kirche in Traversères rechts und ans Ende der Sackgasse fahren» – Ruedi Baumann hätte besser «ans Ende der Welt» geschrieben. Der Weg führt an zwei, drei bewohnten Häusern vorbei, über einen windigen und zauberhaft stillen Hügelrücken, dann taucht er in eine Allee von uralten, knorrigen Eichen, die die Strasse überdachen, bis er vor Ruedi Baumanns Haus abrupt endet, einem Herrschaftshaus, das über einer grandiosen Landschaftsarena thront.

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Der Widerspenstige

© Schweizer Illustrierte, 20.12.2010

Er kam als Hoffnungsträger, wurde zum Prügelknaben und ging als bester Finanzminister Europas. Erstmals nach seinem Rücktritt schaut alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz zurück: «Es war eine Achterbahn!»

Von Lukas Egli und Stefan Regez

Es ist drei Minuten vor zehn, als wir ankommen – alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz steht schon in Winterjacke und Schneestiefeln bereit. Mit festem Schritt geht er voran auf den tief verschneiten Hügel hinter seinem Haus. Er zeigt uns sein Herisau. Hier die psychiatrische Klinik, wo der Rorschach-Test erfunden wurde, da der Komponentenhersteller Huber + Suhner, bei dem er lange Verwaltungsrat gewesen war, dort der Ortskern mit Kirche, Regierungsgebäude und Kulturstätte. «Auf dem Hügel vis-à-vis», sagt der ehemalige Finanzminister, «hat man am Weihnachtstag 1956 den Schriftsteller Robert Walser tot im Schnee gefunden. Herzattacke.» Er macht eine kurze Pause. «Und auf der Strasse direkt darunter habe ich vor zwei Jahren meinen Herzstillstand gehabt.» Er kann sein Glück noch immer kaum fassen: «Das passiert in der Schweiz jedes Jahr 8000 Menschen. Nur 400 überleben!»

Herr Merz, sind Sie froh, nicht mehr Bundesrat zu sein?

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Das Derby

Erschienen in Sonntagsblick Magazin, 13. Dezember 2009 (PDF)

Die Portugiesen sind die grösste Ausländergruppe im Oberengadin. Nur in einem Punkt konnten die Gastarbeiter bislang mit den Einheimischen mithalten: im Fussball. Bis «Rudi» Rodriguez die Seiten wechselte.

© Lukas Egli, 2009

Es ist die 61. Minute: Der Libero des FC Celerina spielt einen Steilpass tief in den Strafraum des FC Lusitanos de Samedan. Daniel Rodriguez nimmt ihn mit dem rechten Aussenrist an, legt sich den Ball vor, macht zwei, drei kurze Schritte zur Feldmitte hin und drückt ab. Der Torhüter streckt seinen ganzen Körper, seinem Mund entfährt ein Ächzen, er bleibt chancenlos.

Der Ball dreht sich um ihn herum – und landet im Netz.

Die Spieler des FC Celerina reissen die Arme hoch, schreien und umarmen sich triumphierend, ebenso die Hälfte der einhundert Zuschauer. Der Torschütze selbst aber trabt in seine Platzhälfte zurück, ballt nur kurz die rechte Hand zur Faust, winkelt den Arm an, spannt den Bizeps. Denn Daniel Rodriguez ist Portugiese.

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Vom Schlachten heiliger Kühe

Erschienen in Brandeins, 23. Oktober 2009 (PDF)

Schweizer suchen ungern Streit. Harmonie ist ihnen lieber. Doch darüber bleibt viel liegen. Ein Institut in Zürich bekam die Aufgabe, wie die Hefe zu wirken im trägen Teig. Nun erweist es sich als schockierend unabhängig. Ein Experiment mit offenem Ende.

© Lukas Egli, 2009

Einmal Kuhschweiz, immer Kuhschweiz. Dabei ist die Schweiz schon lange kein Bauernland mehr. Nur vier Prozent der Bevölkerung leben noch von der Landwirtschaft, dennoch wendet das Land jedes Jahr mehr als vier Milliarden Franken zur Stützung des Bauernstandes auf – genauso viel wie für Bildung und Forschung. Die Landwirte sind eine Macht in dem Land, das sich rühmt, der siebtgrösste Finanzplatz und eines der wettbewerbsfähigsten Länder der Welt zu sein. Wie legitim sind die Subventionen noch angesichts globaler Märkte? Nützen sie der Allgemeinheit? Und: Halten die Bauern eigentlich, was sie versprechen?

Ein Ketzer, wer solche Fragen stellt.

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Der Fluch der Beständigkeit

Erschienen in NZZ Folio, 2. November 2009 (PDF)

Drei Erfindungen, drei tragische Ereignisse, drei Generationenwechsel: Die Tösstaler Pfannenfabrik Kuhn Rikon hat ­schon viel überstanden. Die grösste Prüfung steht noch aus.

© Lukas Egli, 2009

Eine gute Pfanne verkauft man so: Man versucht einem Kunden zu erklären, weshalb eine Markenpfanne 200 Franken kostet, während eine Billigpfanne für einen Viertel des Preises zu haben ist. Die Gründe können lauten: Weil die Markenpfanne hochwertiger ist. Oder schöner. Da ist viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Ist man endlich fertig und war erfolgreich, hat man 200 Franken Umsatz gemacht. Das gibt 100 Franken für den Verkäufer und 100 Franken für den Hersteller. Pfannen verkaufen ist kein Bomben­geschäft. Es ist das Geschäft des Familienbetriebs Kuhn Rikon.

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Der Sparschäler

© NZZ Folio, 6. Juli 2009 (PDF)

Oskar Marti gehört zu den wenigen Köchen, die keinen riesigen Abfallberg produzieren. Was andere Leute kompostieren, landet bei «Chrüteroski» auf dem Teller.

Von Lukas Egli

Rillettes sind ein klassisches Abfallprodukt: würzige Brotaufstriche, die aus sogenannt unedlen Teilen, meist aus Gänse-, Enten- oder Kaninchenfleisch, gemacht werden. Die Fleischstücke werden im eigenen Saft geschmort, bis sie vom Knochen fallen und streichbar werden. In Frankreich sind Rillettes eine Delikatesse. In der Schweiz gelingt es nicht mehr vielen Köchen, sie an den Gast zu bringen – zu gross ist das Abfallfleisch-Stigma. Einer, der Rillettes oft und gern auftischt, ist der Spitzenkoch Oskar Marti.

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Der talentierte Monsieur Jaquet

© NZZ Folio, 6. April 2009 (PDF)

Laut Justiz ist er ein Goldräuber, Hehler, Uhrenfälscher. Branchenkenner allerdings sagen, dass Jean-Pierre Jaquet nur das delikate Geschäft der Uhrmacherei optimiert hat.

Von Lukas Egli

Am 15. Januar 2002 überfielen zwei bewaffnete Männer vor dem Polierwerk Miranda in La Chaux-de-Fonds einen Lieferanten, der Uhrengehäuse aus Gold abholte. Die Räuber machten sich mitsamt dem Überfallenen und seinem Lieferwagen aus dem Staub. Geisel und Wagen liessen sie später am Wegrand zurück. Das Uhrengold aber, das für Rolex bestimmt war, verschwand. Und ist nie wieder aufgetaucht. Wurde es eingeschmolzen? Ins Ausland geschafft? Weiterverarbeitet? Die Wege von Gold sind geheimnisvoll. Weiterlesen

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