Blattmanns schwierigste Mission

© Schweizer Illustrierte, 26.04.2011 

Humor, Charme und Aufsässigkeit: Armeechef André Blattmann braucht sein ganzes rhetorisches Arsenal, um seinen Offizieren die Zukunft der Schweizer Armee zu erklären. Unterwegs mit dem Oberbefehlshaber.

Von Lukas Egli

Militärische Führung kennt einfache Prinzipien. Eines lautet: KKK – Kommandieren, Kontrollieren, Korrigieren. Der Befehl kommt von oben. Er wird peinlich genau ausgeführt. Keine Widerrede, marsch!

Das war einmal. Heute müsste man zumindest ein viertes K hinzufügen: für Kommunizieren. Oder gar ein fünftes: Konfrontieren. Keiner hat das besser verinnerlicht als André Blattmann, 55, seit dem 1. März 2009 Chef der Armee (CdA). Weiterlesen

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Politik, Schweizer Illustrierte

Der kleine Sonnenkönig

© Schweizer Illustrierte, 18.04.2011

EU-Befürworter, AKW-Gegner, machtbewusst: Der Grünen-Pionier Ruedi Baumann war erfolgreich – und umstritten. Seit zehn Jahren lebt er im Südwesten Frankreichs den Traum vom grünen Leben.

Von Lukas Egli

Vor der Kirche in Traversères rechts und ans Ende der Sackgasse fahren» – Ruedi Baumann hätte besser «ans Ende der Welt» geschrieben. Der Weg führt an zwei, drei bewohnten Häusern vorbei, über einen windigen und zauberhaft stillen Hügelrücken, dann taucht er in eine Allee von uralten, knorrigen Eichen, die die Strasse überdachen, bis er vor Ruedi Baumanns Haus abrupt endet, einem Herrschaftshaus, das über einer grandiosen Landschaftsarena thront.

Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Die Anatomie der Peripherie, Landwirtschaft, Politik, Schweizer Illustrierte, Uncategorized

Der Volksmörder

© Schweizer Illustrierte, 28.02.2011 (PDF)

Erpresser, Geiselnehmer, Mörder – und eben noch Verbündeter des Westens: Muammar Gaddafi. Die Zeit des Vaters des internationalen Terrors ist abgelaufen

Von Lukas Egli

Er ist ein sensibler, ja ein feingeistiger Mann: Muammar Gaddafi mag Flamenco. Er hat eine philosophische Ader. Schreibt Geschichten und Essays. Fürchtet sich vor der Höhe. Und vor dem Fliegen, vor allem übers Wasser. Der libysche Revolutionsführer versteht sich als fürsorglicher Vater der Nation. Sieht sich als beliebter Führer. «Wer für die Massen und für die Freiheit kämpft, liebt mich immer und überall», behauptet er.

Doch der von 200 afrikanischen Königen und Stammesherrschern ernannte König der Könige ist ein überaus brutaler Herrscher. «Die Protestierenden sind Diener des Teufels. Sie bringen Schande über ihre Familie, falls sie Familie haben. Aber das haben sie nicht», rief er letzte Woche in die TV-Kamera. «Ich werde kämpfen bis zum Ende!»

Weiterlesen

2 Kommentare

Eingeordnet unter Politik, Schweizer Illustrierte

Der Widerspenstige

© Schweizer Illustrierte, 20.12.2010

Er kam als Hoffnungsträger, wurde zum Prügelknaben und ging als bester Finanzminister Europas. Erstmals nach seinem Rücktritt schaut alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz zurück: «Es war eine Achterbahn!»

Von Lukas Egli und Stefan Regez

Es ist drei Minuten vor zehn, als wir ankommen – alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz steht schon in Winterjacke und Schneestiefeln bereit. Mit festem Schritt geht er voran auf den tief verschneiten Hügel hinter seinem Haus. Er zeigt uns sein Herisau. Hier die psychiatrische Klinik, wo der Rorschach-Test erfunden wurde, da der Komponentenhersteller Huber + Suhner, bei dem er lange Verwaltungsrat gewesen war, dort der Ortskern mit Kirche, Regierungsgebäude und Kulturstätte. «Auf dem Hügel vis-à-vis», sagt der ehemalige Finanzminister, «hat man am Weihnachtstag 1956 den Schriftsteller Robert Walser tot im Schnee gefunden. Herzattacke.» Er macht eine kurze Pause. «Und auf der Strasse direkt darunter habe ich vor zwei Jahren meinen Herzstillstand gehabt.» Er kann sein Glück noch immer kaum fassen: «Das passiert in der Schweiz jedes Jahr 8000 Menschen. Nur 400 überleben!»

Herr Merz, sind Sie froh, nicht mehr Bundesrat zu sein?

Weiterlesen

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Die Anatomie der Peripherie, Politik, Schweizer Illustrierte

Beruf: Verräter


© Schweizer Illustrierte, 06.12.2010 (PDF)

Unerschrocken, unverfroren, unfassbar: Julian Assange legt sich mit den Mächtigen der Welt an. Wer ist der umstrittene Chef von Wikileaks?

Von Lukas Egli

Die ganze Welt kennt seinen Namen. Kennt sein bleiches, maskenhaftes Gesicht. Sein gequältes wissendes Lächeln. Sein weissblondes Haar. Und die ganze Welt sucht ihn: Julian Assange steht zuoberst auf der Fahndungsliste von Interpol, die Geheimdienste sind hinter ihm her, die Weltpresse ebenso. Der Chef von Wikileaks hat gute Chancen, das Jahr auf dem Titelblatt des «Time Magazine» zu beenden – als Mann des Jahres. Oder in einem Gefängnis. Barack Obama will ihn wegen Spionage hinter Gitter bringen.

Wer ist dieser Mann, der mit seinen Veröffentlichungen die Welt das Fürchten lehrt? Der die Regeln des Informationszeitalters radikal umschreibt. Sich furchtlos mit den Mächtigen dieser Welt anlegt.

Etiketten trägt er viele: Programmierer, Computerfreak, Hacker. Globetrotter, Einzelgänger, Flüchtiger. Charismatiker, Egomane, Diktator. Antiamerikaner, Staatsfeind, Verräter. Manche finden, er sei einer der gefährlichsten Männer der Welt. Julian Assange ist Phänomen. Und Phantom.

Weiterlesen

7 Kommentare

Eingeordnet unter Politik, Schweizer Illustrierte, Wirtschaft

«Ein Kernkraftwerk? Ja, gern!»

© Schweizer Illustrierte; 29.11.2010 (PDF)

Wer will schon ein AKW in seinem Dorf? Mühleberg BE will! Döttingen AG will! Und Däniken SO will! Zu Besuch bei drei Gemeindepräsidenten, die miteinander um die neuen Kernkraftwerke rangeln.

Von Lukas Egli

Mühleberg – das ist eine schöne, ländliche Gemeinde im Osten von Bern: 30 Dörfer und Weiler, viel Wald, 70 Bauernhöfe, 2700 Einwohner. Die Bundesstadt ist keine Viertelstunde entfernt, der Steuerfuss tief, in der Nacht herrscht Stille. Mühleberg ist ein kleines Paradies. Wenn nur das AKW nicht wäre.

Weiterlesen

2 Kommentare

Eingeordnet unter Politik, Schweizer Illustrierte

«Mein Lieber, ich würde das nicht schönreden!»


© Schweizer Illustrierte, 8. November 2010 (PDF)

Armee abschaffen, Kapitalismus überwinden, der EU beitreten! Die SP zeigt wieder ihr radikales Gesicht. Helmut Hubacher regt sich auf über den von Cédric Wermuth diktierten Kurs.

Von Lukas Egli und Stefan Regez

Sie sind Meister und Zauberlehrling: Helmut Hubacher, 1975 bis 1990 SP-Präsident, und Cédric Wermuth, seit 2008 Juso-Präsident und eines der grössten Polittalente der Schweiz. Zwischen ihnen liegen 60 Jahre und eine Menge Erfahrung. Am SP-Parteitag letzte Woche spielte der Jüngere erstmals mit den Mitteln des Meisters: Der 24-Jährige schwor die Mutterpartei auf einen radikalen Kurs ein. Sehr zum Ärger des grossen Alten.

Herr Hubacher, Sie sind 60 Jahre älter als Cédric Wermuth …

Wermuth: Echt, du bist 84 Jahre alt?

… Wer von Ihnen beiden steht für eine zukunftsträchtigere SP?

Hubacher: Die Partei will die nächsten Wahlen gewinnen. Ich bin nicht sicher, ob sie vor einer Woche ein zeitgemässes Programm verabschiedet hat.

Wermuth: Die Geschichte der Menschheit ist ein Kampf zwischen Bevormundung und Demokratie. Die SP hat gesagt, dass der Kapitalismus nicht die letzte Antwort der Geschichte ist. Ich kann mir nichts Moderneres vorstellen.

Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Politik, Schweizer Illustrierte